Abenteurer, Einsiedler und Vater vieler Familien
In diesem Jahr ist es 125 Jahre her, dass er nach einer Forschungsreise durch das damals noch unzugängliche Marokko bekannt wurde. Durch seine Kontakte mit Muslimen in Nordafrika und das Erleben muslimischer Frömmigkeit fand er wieder zu seinem als Jugendlicher verlorenen christlichen Glauben.
Das Leben des Seligen war zunächst eine Reihe von Widersprüchen. Er flog von der Schule, führte als Soldat in Algerien einen ausschweifenden Lebenswandel, was ihm sogar die Entlassung als Offizier aus der Armee einbrachte. Aber nach einem Aufstand der einheimischen Bevölkerung gegen die Franzosen in Nordafrika wurde Charles de Foucauld wieder in die französische Armee aufgenommen und bewährte sich als tapferer Soldat.
Diese Soldatenzeit ließ in ihm den Entschluss reifen, Tunesien, Algerien und Marokko zu erforschen, vor allem das damals noch für Christen verbotene Marokko. Da Juden in Marokko reisen durften, lernte er Hebräisch und ging als russischer Rabbi mit einem echten Rabbiner im Juni 1883 nach Marokko, wo er mehr als zehn Monate blieb. Er kartografierte das Atlas-Gebirge und schrieb das geografische Standardwerk "Forschungsreise durch Marokko".
Die Frégate, das erste Haus, das Charles de Foucauld sich baute. Sie ist langgestreckt und nur
In Nordafrika hatte er viele gläubige Muslime beim Gebet gesehen, was ihn tief beeindruckte. In Paris ging er erstmals wieder in die Kirche St. Augustin, die er oft besuchte und wo er betete: "Mein Gott, wenn es Dich gibt, dann lass mich Dich erkennen."
Als er am 30. Oktober 1886 Abbé Henri Huvelin kennen lernte, legte er eine Generalbeichte ab und suchte nach seiner eigentlichen Berufung. 1890 trat er bei den Trappisten ein und ließ sich von der Abtei Notre Dame des Neiges in Saint-Laurent-les-Bains zunächst nach Syrien und später 1896 nach Algerien entsenden.
Für den ehemaligen Soldaten war aber das Leben bei den Trappisten nicht streng genug. Er verließ deshalb das Kloster und lebte als Klosterknecht arm und demütig bei den Klarissen in Nazareth und Jerusalem. Die Schwestern legten ihm nahe, er solle doch Priester werden. Die Weihe erhielt er im Alter von 43 Jahren in Frankreich.
Nordafrika hatte ihn nicht mehr losgelassen, deshalb lebte er als Einsiedler in der algerischen Provinz Bechar, wo er die stationierten französischen Soldaten als Priester betreute und Kontakte zu den Einheimischen zu pflegen versuchte.
1914 bat ihn ein General, er solle in Tamanrasset zwischen den aufrührerischen Tuareg und den Franzosen zu vermitteln. Auf einem Plateau des Ahaggar-Gebirge entstand in 2700 Meter Höhe seine neue Einsiedelei.
Charles lernte die Sprache der Tuareg, sammelte auf 2000 Seiten ein erstes Wörterbuch dieser Sprache, das bis heute von Fachleuten gelobt wird. In dieser Zeit fand er Freunde unter den Tuareg, die er nicht missionierte, da er selbst noch um seine eigene Spiritualität rang.
Am 1. Dezember 1916 wurde er von Aufständischen der islamischen Senussi-Bewegung erschossen. Seine Leiche ruhte zunächst in einem Steinloch neben seiner Einsiedelei und wurde erst 1929 in ein Grab in der Oase El Golea überführt.
Zu seinen Lebzeiten hatte Charles de Foucauld weder Jünger oder Anhänger, doch in Briefen berichtete er von seinen Gedanken, eine neue geistliche Gemeinschaft zu verwirklichen, die bescheiden und ohne Aufhebens in kleinen Gruppen mitten unter den Menschen das Ideal der Nachfolge Christi leben sollte. Das war für die damalige Zeit als Ordensideal ein völlig neues Konzept.
17 Jahre nach seinem Tod schlossen sich fünf junge Priester unter Führung von René Voillaume zu solch einer Gemeinschaft zusammen, die 1968 als Kongregation der Kleinen Brüder Jesu von Rom anerkannt wurde. 1939 entstanden die Kongregation der kleinen Schwestern Jesu. Als weitere Kommunität entwickelte sich seit 1963 die Gemeinschaften der Kleinen Schwestern vom Evangelium und Kleinen Brüder vom Evangelium. Heute gibt es 19 Zweige der Geistlichen Familie des Charles du Foucauld.
Quelle: Pressemeldung KIRCHE IN NOT / Ostpriesterhilfe Deutschland e.V.
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