Ausstellung an der TUD zu Opfern rechter Gewalt

03.04.2008 | Dresden
Mit einer Ausstellung der besonderen Art erinnert die TU Dresden an die bisher 136 Menschen, die zwischen 1990 und 2005 in Deutschland als Opfer rechter Gewalt getötet wurden.

Die Ausstellung im Hörsaalzentrum der TU Dresden zeigt die bewegenden Schicksale dieser weit über hundert Betroffenen auf 152 Tafeln.

Viele wurden getötet, weil für sie im Weltbild der Rechtsextremisten kein Platz ist; manche, weil sie den Mut hatten, Nazi-Parolen zu widersprechen. Einige Schicksale bewegten die Öffentlichkeit, viele wurden kaum zur Kenntnis genommen, vergessen sind die meisten. Die Ausstellung ruft diese Menschen in Erinnerung.

Die Ausstellung basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen, vor allem auf Zeitungsartikeln. Sie dokumentiert das Bild, das sich die Gesellschaft von den Opfern rechter Gewalt gemacht hat: Manche Fälle führten zu öffentlicher Empörung oder waren Anlässe politischer Kontroversen; von vielen der Toten jedoch wurde nie ein Foto veröffentlicht, von manchen noch nicht einmal ihre Namen.

"Den Opfern einen Namen geben" wollten die beiden Tageszeitungen "Frankfurter Rundschau", und "Der Tagesspiegel", als sie am 14. September 2000 eine Chronik von 93 Opfern rechter Gewalt seit 1990 veröffentlichten. Auf diese Chronik greift die Ausstellung maßgeblich - nicht ausschließlich - zurück. Die Chronik entfachte einen politischen Streit, weil das Bundesinnenministerium im gleichen Zeitraum nur 24 Todesfälle durch rechte Gewalt registriert hatte.

Das ganze Ausmaß systematischer Verdrängung wurde etwa dadurch deutlich, dass das Ministerium nicht einmal den Tod von Farid Guendoul, der von Rechtsextremisten im Februar 1999 in den Tod getrieben wurde, zur Kenntnis genommen hatte. Die "Hetzjagd von Guben" hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht, aber weil die Täter nur der "fahrlässigen Körperverletzung" angeklagt wurden, gab es offiziell kein Opfer.

Im Mai 2001 änderten die Innenminister von Bund und Ländern das System zur Erfassung rechter Straftaten. Die neuen Erfassungskriterien sollten es ermöglichen, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Aber noch im September 2004 bewertete die Bundesregierung nur 39 Fälle seit 1990 als rechtsmotiviert.

Es gibt viele Tote, die niemals Schlagzeilen machten und von deren Schicksal keine Statistik zeugt. Die Ausstellung erinnert an diese Menschen und thematisiert zugleich die anhaltende Verdrängung rechter Gewalt.

Die Wanderausstellung hat Rebecca Forner konzipiert; die Exposition ist in Zusammenarbeit mit dem Verein "Opferperspektive" entstanden. Nach der Station in Dresden wird sie im Laufe des Jahres noch in Berlin, Düren, Wunsiedel, Fürstenwalde, Hamburg und Herzogenrath zu sehen sein.

Die Ausstellung ist im Hörsaalzentrum der TU Dresden bis zum 29. April 2008 während der Öffnungszeiten des Gebäudes zu sehen.

Rebecca Forner wurde 1970 in Baden-Württemberg geboren. Die politisch engagierte Grafikerin arbeitete in linken und antifaschistischen Initiativen und studierte Kommunikationsdesign an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Von 2000 bis 2004 arbeitete sie an der Ausstellung "Opfer rechter Gewalt". Sie lebt in Bilbao.

Mit der Präsentation dieser Ausstellung will die TU Dresden ein weiteres Zeichen gegen Gewalt an sich und insbesondere gegen Gewalt von Rechts setzen.

Partner vor Ort für die Ausstellungsrealisierung ist der Verein Regionale Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule (RAA - Opferberatung in Fällen rechtsextremer Gewalt Dresden).

Quelle: Pressemeldung Technischen Universität Dresden

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