Blaue Augen - Kalte Füße
Neonazis aus dem Landkreis Unna wollten am Montag, 17. August, einen so genannten Flash-Mob durchführen und sich mit dieser Form der spontanen Versammlung in Szene setzen. Dass daraus schließlich nichts geworden ist, hat vor allem mit vielen gelben Plakaten sowie dem breiten gesellschaftlichen Widerstand zu tun, der sich im Vorfeld formiert hat. Das Ergebnis: die Neonazis mit den vermeintlich blauen Augen haben kalte Füße bekommen und sind erst gar nicht erschienen. Eine Erfolgsgeschichte gegen den Rechtsextremismus.
Sie hatten sich über Internet und E-Mails verabredet und wollten in einer versteinerten Position auf einem Platz in Unna ausharren. Zum Abschluss sollte das Schlusswort von Rudolf Heß vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal vorgelesen werden, in dem er keinerlei Reue für seine Taten zeigte. Die ganze Aktion sollte nur wenige Minuten dauern. Doch dazu kam es nicht.
Hunderte von couragierten Bürgerinnen und Bürgern und zahlreiche Polizeibeamte haben den Neonazis einen Empfang bereitet, den sie so schnell nicht vergessen werden. Hatten sie anfangs geglaubt, es handele sich um eine genehmigungsfreie spontane Demonstration, mussten sie angesichts der Menschenmenge damit rechnen, öffentlich zur Rechenschaft gezogen zu werden. Sie zogen es deshalb vor, erst gar nicht in Erscheinung zu treten.
Posselt: Demokratie ist eine andauernde Herausforderung
"Weil Demokratie eine andauernde Herausforderung und Provokation für Rechtsextremisten ist und Neonazis unsere Demokratie stürzen wollen, ist es schon bewundernswert, was im Landkreis Unna passiert" so Ralf-Erik Posselt, Leiter des Beratungsnetzwerkes in Haus Villigst. "Nicht nur, dass alle demokratischen Parteien im Konsens Rechtsextremismus bekämpfen, sondern dass auch die Bürgerinnen und Bürger schon heute deutlich zeigen, dass der Schutz von Minderheiten, ein friedliches Zusammenleben und unsere Demokratie nicht vom Himmel gefallen sind, sondern täglich und öffentlich gelebt und auch verteidigt werden müssen, zeigt, dass die Menschen in der Region Unna auf einem guten und dem richtigen Weg sind".
"Nach ihrer bösen Überraschung mit dem Flash-Mob werden die Rechtsextremisten jedoch noch lange nicht klein beigeben", warnt Posselt. Sie würden vorerst wieder im Dunkeln verschwinden und von dorther versuchen, mit einfachen und populistischen Parolen das Klima im Land zu vergiften. Dazu gehöre es, einzelne Menschen zu bedrohen, um so ein Klima der Angst zu entwickeln.
Dem Rechtsextremismus erfolgreich das Wasser abgraben
Das Beispiel Unna und insbesondere die Plakat-Initiative der dortigen Bürgermeister zeigen, wie Demokratie gelingen kann und wie dem Rechtsextremismus erfolgreich das Wasser abgegraben werden kann".
Schon vor Monaten hatte der Landrat im Kreis Unna einen Verständigungsprozess aller zivilgesellschaftlichen Gruppen, politischen Parteien, Bürgermeister und engagierten Bürger in die Wege geleitet und zu einem bürgerschaftlichen Runden Tisch gegen Rechtsextremismus angestiftet.
Eines von vielen Ergebnissen sind die gelben Plakate, die zum Beispiel die Aufschrift tragen "Unna hat keinen Platz für Rechtsextremismus". Egal wohin man zurzeit im Landkreis schaut: Die gelben Plakate fallen sofort ins Auge und signalisieren jungen und alten Nazis, dass ihre Gesinnung im Landkreis keinen Platz hat und sich Gegenwehr entwickelt
Quelle: Pressemeldung Evangelische Kirche von Westfalen
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