"Das Leid der Flüchtlinge ist unvorstellbar"

25.11.2009 | München
Die Regierungen der Demokratischen Republik Kongo und des Nachbarlandes Republik Kongo weisen zurzeit sämtliche Angolaner aus, die in den beiden Ländern leben. Das Vorgehen der Behörden sei brutal, berichten unsere Mitarbeiter Pater Andrzej Halemba und Ulrich Kny, die in den vergangenen zwei Wochen Angola bereist haben.

Kongolesische Polizisten und Zivilkräfte tauchen unvermittelt auf und fordern die Angolaner auf, das Land sofort zu verlassen. Arbeitnehmer werden sogar von ihrem Arbeitsplatz weggeschickt, Kinder von der Schule verwiesen.

Zigtausende Menschen sind gezwungen, sich unmittelbar auf den Weg nach Angola zu begeben, ohne die Möglichkeit zu haben, ihr ohnehin geringes Hab und Gut mitzunehmen. Dadurch wurden Familien auseinandergerissen, und Kinder, die ihre Eltern nicht mehr finden konnten, blieben allein zurück. Angolaner mit einem kongolesischen Ehepartner müssen ihren Mann oder ihre Frau zurücklassen.

Wie unsere Mitarbeiter weiter berichten, seien Flüchtlinge gezwungen, teilweise bis zu 900 Kilometer zu Fuß zurückzulegen. Dabei werde keine Rücksicht auf alte Menschen, Kranke, Kinder und schwangere Frauen genommen. Eine Frau hätte sogar trotz einer frischen Operationswunde einen Fußmarsch von 100 Kilometern zurücklegen müssen.

Frauen bringen ihre Kinder am Straßenrand zur Welt. Einem 15-jährigen Jungen, der nach einem Fußmarsch von 75 Kilometern völlig erschöpft und mit wunden Füßen in einem Flüchtlingslager ankam, sei zudem das Kochgeschirr gestohlen worden. Manche Leute - darunter alte Menschen und Kinder - hätten tagelang nichts gegessen.

Die angolanischen Diözesen Uíje und Mbanza Congo stehen vor der Herausforderung, Tausende von ausgehungerten, erschöpften und kranken Flüchtlingen zu betreuen. So sind beispielsweise in der Stadt Damba bereits fünf Auffanglanger eingerichtet worden. Aber heftige Gewitterschauer haben den Boden aufgeweicht, so dass die Lage dort, wo die Stadt Zelte zur Verfügung gestellt habe, katastrophal sei. Teilweise gibt es in den Zelten riesige Pfützen.

Ulrich Kny sagte wörtlich: "Einige Vertriebene versuchen, gleich zu Verwandten in andere Dörfer weiterzureisen. Andere wissen überhaupt nicht, wohin sie gehen sollen - ihre Dörfer wurden während des Bürgerkrieges völlig zerstört, ihre Verwandten sind geflohen. Wieder andere Vertriebene finden bei ihren Verwandten keine Aufnahme und kehren - noch einmal tiefer verletzt - in eines der Auffanglager zurück."

In Damba kümmern sich vier Kapuziner und vier Barmherzige Schwestern um die herbeiströmenden Flüchtlinge. Die Ordensfrauen haben ihr Kloster für Flüchtlinge geöffnet. Weitere Flüchtlinge finden in leerstehenden oder noch nicht fertiggestellten Gebäuden Unterkunft.

"Die Schwestern helfen so gut sie können. Sie nehmen die Menschen bei sich auf, verteilen Lebensmittel, Geschirr, Windeln, Medikamente und Kleidung, sorgen dafür, dass die Vertriebenen gegen Tetanus, Polio und andere Krankheiten geimpft werden, und versuchen, den Betroffenen seelischen Beistand zu leisten", berichtet Pater Halemba. Sie betreuen Hunderte Menschen, und es werden jeden Tag mehr. Zahlreiche Freiwillige Helfer aus der Pfarrei helfen ihnen.

Schätzungen zufolge sind in den vergangenen Wochen bereits 40 000 Angolaner aus der Demokratischen Republik Kongo und der Republik Kongo ausgewiesen worden. Dabei handelt es sich offenbar um einen "Racheakt" für die Ausweisung illegaler kongolesischer Flüchtlinge aus Angola, die vor zwei Jahren begonnen hatte.

Im Gegensatz dazu beschränkten sich die Ausweisungen in den beiden Kongos nicht auf illegale Einwanderer, sondern richteten sich gegen alle Angolaner, die als Bürgerkriegsflüchtlinge oder aus anderen Gründen legal im Lande lebten, so die Einschtätzung unserer Mitarbeiter.

Die Bischöfe der Diözesen Uíje und Mbanza Congo haben unser Hilfswerk dringend um Unterstützung für die Flüchtlinge gebeten. Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende.

Quelle: Pressemeldung KIRCHE IN NOT / Ostpriesterhilfe Deutschland e.V.

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