Der Deutsche Tennis Bund: Ein Verband - viele Gesichter

24.10.2011 | Hamburg
Rund 1,6 Millionen Menschen spielen in deutschen Vereinen Tennis und machen den Deutschen Tennis Bund (DTB) zum mitgliederstärksten Tennisverband der Welt. Die Serie "Ein Verband. viele Gesichter" wirft einen Blick hinter die Kulissen des DTB und stellt die Menschen vor, die sich dort engagieren. Einer von ihnen ist Frank Schrötter, Leiter der Abteilung Finanz- und Rechnungswesen.

Frank Schrötter zieht einen Wust dicht beschriebener Blätter aus seiner Schublade hervor und ordnet diese geräuschvoll auf der Schreibtischplatte. "Ich habe mir vorab schon mal ein paar Notizen für unser Gespräch gemacht", erklärt der 46jährige Westfale lächelnd den Zweck des nun fein säuberlich vor ihm liegenden Papierstapels. "Ich arbeite bereits seit 21 Jahren beim Deutschen Tennis Bund und meine Aufgabenbereiche sind mit der Zeit nicht weniger geworden. Da fand ich es sinnvoll, mir vorab einige mögliche Schwerpunkte zu überlegen."

Keine schlechte Idee, wie ein kurzer Blick auf das Organigramm der DTB-Geschäftsstelle bestätigt. Dort ist zu lesen, dass der gebürtige Dortmunder als Chef der Abteilung Finanz- und Rechnungswesen unter anderem für die Bereiche Budgetplanung und Budgetkontrolle, Liquiditätsplanung sowie für die Jahresabschlüsse und Steuererklärungen des DTB e.V. und der zwei Gesellschaften Rothenbaum Sport GmbH und Rothenbaum Stadion GmbH zuständig ist. "Verglichen mit den meisten Kollegen hier beim DTB hat mein Job wohl nur im weitesten Sinne mit Tennis zu tun. Deshalb sind meine Tätigkeiten aber nicht weniger wichtig, schließlich müssen sämtliche Projekte vom Breitensport bis hin zum Profitennis auf finanziell soliden Füßen stehen", erklärt Borussia Dortmund-Anhänger Frank Schrötter.

Planung des Haushalts

Damit das gegeben ist, plant der gelernte Steuerfachgehilfe alle zwölf Monate gemeinsam mit DTB-Vizepräsident Ulrich Kroeker den Haushalt für das kommende Geschäftsjahr. Dabei werden zunächst die zu erwartenden Einnahmen des Verbandes ermittelt. Diese bestehen zu 50 Prozent aus Mitgliedsbeiträgen: "Pro Jahr erhalten wir für jeden erwachsenen Vereinsspieler 1,50 Euro und für jeden Jugendlichen 75 Cent. Um eine Aussage über die voraussichtlichen Einnahmen treffen zu können, muss ich also die Entwicklung der Mitgliederzahl abschätzen." Da sich die andere Hälfte der DTB-Einnahmen aus Sponsorengeldern, Umlagen und Gebühren zusammensetzt, fragt Frank Schrötter bei den verschiedenen Ressorts die voraussichtlichen Erträge und Aufwendungen ab. Ebenso wie die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen fließen diese in die Planung des Gesamthaushalts ein. "Erst nach der Verabschiedung durch die DTB-Mitgliederversammlung wissen die Ressorts und die Abteilungen in der Geschäftsstelle, welche Mittel zur Verfügung stehen."

Einmal im Monat nimmt Frank Schrötter die Budgetauswertungen für jede einzelne Abteilung von der Pressestelle bis zum Lehrwesen vor. "Auf diese Weise stelle ich sicher, dass der vorhandene finanzielle Gesamtrahmen nicht überschritten wird. Generell gehen die Kollegen jedoch sehr gewissenhaft mit ihren Mitteln um und versuchen zu sparen, wo es nur geht." Aus der Summe der monatlichen Budgetauswertungen entwickelt er den Jahresabschluss des Deutschen Tennis Bundes. Nach der Kassenprüfung wird dieser von mehreren Arbeitsgruppen sowie dem Präsidium besprochen und von der DTB-Mitgliederversammlung abgesegnet. "Ich arbeite gerne mit den ehrenamtlichen Fachgremien zusammen. Dort sitzen absolute Experten und es macht Spaß, mit ihnen Finanzthemen wie beispielsweise Fragen der Gemeinnützigkeit zu erörtern", berichtet Schrötter, der in seiner Freizeit im Männergesangverein und im Kirchenchor aktiv ist.

Jährlich 6.000 Belege und 8.000 Buchungsvorgänge

Neben dem Referat Finanz- und Rechnungswesen ist Schrötter auch für die Betriebs- und Personalverwaltung in der Geschäftsstelle am Rothenbaum verantwortlich. "Das ist ganz schön umfangreich", erzählt der begeisterte Camper und blättert in seinen Notizen. "Ich setze Arbeitsverträge auf, kontrolliere die Zeiterfassung, stelle Bescheinigungen für Mietzuschüsse oder für die Bundesagentur für Arbeit aus. Zudem organisiere ich regelmäßig Informationsveranstaltungen für die hauptamtlichen DTB-Mitarbeiter." Dabei geht es dann um solch unterschiedliche Themen wie Änderungen im Steuer- und Reisekostenrecht, Gesundheitschecks oder die betriebliche Altersvorsorge. "Die hauptamtliche Führungsriege ist sich ihrer Verantwortung für die Mitarbeiter der Geschäftsstelle sehr bewusst. Deshalb werden insbesondere die jungen Kollegen darauf hingewiesen, sich für die Zukunft abzusichern."

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Personalverwaltung sind die Lohn- und Gehaltsabrechnungen. "Das läuft größtenteils über DATEV", erklärt Schrötter, der ein großer Fan des deutschen Davis Cup Teams ist. DATEV ist eine Genossenschaft der Steuerberater mit Sitz in Nürnberg, deren Software der Deutsche Tennis Bund für die komplette Buchführung inklusive der Kostenstellenrechnung nutzt. "Bei uns laufen jährlich mehr als 6.000 Belege von Turnierreisen, Veranstaltungen und Lehrgängen auf, die circa 8.000 Buchungsvorgänge auslösen. Bei solchen Buchungsvolumen ist ein modernes Buchführungsprogramm unerlässlich." An dessen Einführung im Jahr 1990 war Frank Schrötter maßgeblich beteiligt. "Die Buchhaltung durfte als erste DTB-Abteilung einen PC ihr Eigen nennen. Früher wurden die Daten auf ein Magnetband gespielt und per Modem verschickt. Das kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen", lacht der ehemalige EDV-Beauftragte des DTB.

Stürmischer Beginn in Hamburg

Nicht nur die damaligen technischen Gegebenheiten haben sich im Gedächtnis von Frank Schrötter festgesetzt. Auch seine Anfangszeit in Hamburg war mehr als stürmisch und ist dem Vater eines 13jährigen Sohnes und einer 16 Jahre alten Tochter auch heute noch sehr präsent. "Ich arbeitete bei einem Steuerberater in Dortmund und hatte mich aus einem Impuls heraus auf eine Stellenanzeige des Deutschen Tennis Bundes beworben. Ehrlich gesagt war ich ziemlich geschockt, als ich den Job tatsächlich bekam", erinnert er sich. "Meine Frau war gerade im Begriff, zu mir nach Westfalen zu ziehen und wir mussten alle unsere Pläne über den Haufen werfen. Eine Wohnung in Hamburg zu finden war auch damals schon schwierig. Schließlich haben wir dann mehrere Monate in Buxtehude bei meinen Schwiegereltern im Keller gewohnt."

Letztendlich hat sich der Schritt hin zum DTB für Schrötter aber vollauf gelohnt. "Acht Monate nachdem ich meine neue Stelle angetreten hatte, kündigte der damalige Verwaltungsleiter und ich wurde zum Abteilungsleiter befördert." Dass er die ersten zwei Jahre in der neuen Position mit einer rückwirkenden Steuerprüfung für die vier Gesellschaften DTB e.V., DTB Pool GmbH, DTB Rothenbaum Turnier GmbH und DTB Holding GmbH beschäftigt war, wird der heutige Nottensdorfer nie vergessen. "Nachdem ich dem Betriebsprüfer einen Ausweis für die benachbarte Kantine des Norddeutschen Rundfunks besorgt hatte, konnten wir in der Mittagspause regelmäßig über seine Erkenntnisse diskutieren. Ich habe in der Zeit sehr viel dazugelernt", sagt Frank Schrötter, ordnet ein letztes Mal seine Notizen und lässt sie in der Schublade seines Schreibtischs verschwinden.

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Quelle: Pressemeldung Deutscher Tennis Bund e.V. (DTB)

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