Der Engel von Kaufbeuren

02.04.2009 | München
Die Patronin der Fazenda da Esperança in Irsee

Am 5. April feiert die katholische Kirche den Gedenktag von Kreszentia Höß. Als "Engel von Kaufbeuren" wird sie besonders in ihrem Heimatbistum Augsburg verehrt.

Kreszentia wurde 1682 in Kaufbeuren als Anna Höß geboren. Mit 14 Jahren hatte sie eine Vision: Ein Engel erschien ihr und zeigte ihr ein Ordenskleid der Franziskanerinnen und beteuerte, darin liege ihre Berufung. Doch kein Kloster wollte die Tochter eines armen Webers aufnehmen, da sie keine Mitgift einbringen konnte.

Schließlich wurde sie 1703, im Alter von 20 Jahren, für das Kloster zugelassen. Dies geschah aber erst, nachdem der Bürgermeister dem Kloster ein Grundstück angeboten hatte und dafür die Aufnahme Annas verlangte.

Doch ihre Zeit in der Abtei war wie eine Passion: die Oberin erniedrigte und quälte sie. Die schmächtige Kreszentia musste alle schweren körperlichen Arbeiten erledigen. So wollte man die junge Schwester wieder loswerden. Doch jede Prüfung war für sie eine weitere Stufe zum Himmel.

Kreszentia musste mit einem Sieb Wasser schöpfen. Doch ihr Gefäß hielt die Flüssigkeit.

Kreszentia wird auch mit einem Wunder in Verbindung gebracht. Sie sollte mit einem Sieb Wasser aus dem Brunnen schöpfen - doch das Gefäß hielt die Flüssigkeit.

Im Jahr 1716 wurde sie als Novizinnenmeisterin ernannt, 1741 sogar als Oberin des Klosters in Kaufbeuren eingesetzt. Sie führte das Kloster so erfolgreich, dass dessen materielle Existenz für lange Zeit gesichert war.

Am 5. April 1744 starb Kreszentia in Kaufbeuren. Sie war immer eine beliebte Beraterin gewesen und beeindruckte durch Geduld und Glaubensstärke in einem schweren und von Leiden gekennzeichneten Leben.

Vielleicht deshalb hat sich die "Fazenda da Esperança" in Irsee die heilige Kreszentia Höß als Patronin ausgewählt. In diesem Entzugs- und Rehabiltationszentrum bei Kaufbeuren leben ehemalige Drogenabhängige, die ein ebenso von Leiden gekennzeichnetes Leben geführt haben.

Arbeit, Gemeinschaft, Spiritualität

KIRCHE IN NOT unterstützt die "Bauernhöfe der Hoffnung", wie die Einrichtungen übersetzt heißen. Aber die "Fazenda" in Irsee unterstützt auch KIRCHE IN NOT: dort werden die Prayerbox und die Glaubenspakete von den Bewohnern bestückt.

Neben der Arbeit und dem Aufbau eines Gemeinschaftsgefühls sind regelmäßiges Gebet, tägliche Gottesdienste und das Studium der Heilgen Schrift wesentliche Bestandteile der Therapie. Die "Fazenda" versteht sich als geistliche Gemeinschaft und unterscheidet sich dadurch von anderen Therapiezentren und Fachkliniken.

Deswegen wird hier auch nicht von Klienten oder Patienten gesprochen. Die Leiter der Einrichtung bevorzugen den Begriff Rekuperanten, denn der Weg des Frei-Werdens von der Droge wird ganzheitlich verstanden. Das Wort "Rekuperation" stammt aus Brasilien, dem Ursprungsland der "Fazenda"-Idee, und bedeutet sich-selbst-wiedergewinnen.

Blick auf das Gelände der Facenda da Esperanca in Markee. Rechts ist das Wohnhaus zu sehen, im Hintergrund ist die kleine Kapelle.

Heute gibt es weltweit über dreißig "Fazendas", die meisten davon in Brasilien. In Deutschland gibt es vier Bauernhöfe der Hoffnung: neben Irsee auch im niederrheinischen Xanten, in Riewend (Landkreis Potsdam-Mittelmark) und in Markee bei Berlin.

Erzbischof jean-Claude Perisset (rechts) im Gespräch mit zwei Rekuperanten bei seinem Besuch auf der Fazenda in Markee.

Am 31. März hatte der Vatikan-Botschafter für Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Perisset, die Einrichtung in Markee besucht. Sie ist nach dem Gründer von KIRCHE IN NOT, Pater Werenfried van Straaten, benannt.

In einem eineinhalbstündigen Gespräch mit den Rekuperanten erfuhr er mehr über deren bewegenden Biografien und ihren Weg aus der Drogenabhängigkeit.

Sichtlich beeindruckt bedankte sich der Nuntius am Ende seines Besuches für den freundlichen Empfang. In einem abschließenden Gottesdienst motivierte er die Bewohner und Freunde der Fazenda in ihrer Hoffnung.

"Unser Ziel ist Jesus. Er ist der Weg und das Leben. Darin verbindet uns die Hoffnung. Sie ist hier spürbar. Das alles kann nur im Miteinander geschehen, im gemeinsamen Leben. Wir sind nicht allein auf dem Weg."

Quelle: Pressemeldung KIRCHE IN NOT / Ostpriesterhilfe Deutschland e.V.

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