Der hohe Preis von Biosprit
Der Energiewert von 250 Kilo Reis reicht für eine Tankfüllung. Oder um einen Menschen ein Leben lang zu ernähren. Mit diesem Vergleich machte Präses Alfred Buß in Lemgo die Schattenseite der Energiegewinnung aus landwirtschaftlich angebauten Pflanzen deutlich. Einig war sich Buß mit dem CDU-Landtags-abgeordneten Heinrich Kemper in vielen Punkten. Das Zwiegespräch zwischen dem leitenden Theologe der Evangelischen Kirche von Westfalen und dem Vorsitzenden des Lippischen Landwirtschaftlichen Hauptvereins stand unter dem Thema "Vom Acker in den Tank. Biotreibstoff - Zukunft oder Sackgasse?" Dazu hatten die beiden evangelisch-lutherischen Gemeinden St. Marien und St. Nicolai eingeladen.
Verlasse diesen Ort so, wie du ihn vorgefunden hast...
Einig waren sich der Präses und der Politiker zum Beispiel darin: Die Verantwortung für die Erde nötigt dazu, Energie in höchstem Maße einzusparen und sie optimal zu nutzen. Einig auch darüber, dass zu den fossilen Energieträgern Alternativen notwendig seien: "Wer von Energie spricht und nur Kohle, Öl und Gas meint, ist fossilem Denken verhaftet", erklärte Kemper. Der Landwirt aus Lage-Ohrsen fand für den sorgsamen Umgang mit der Schöpfung ein plastisches Bild: "Verlasse diesen Ort so, wie du ihn vorgefunden hast - das gilt für die Toilette ebenso wie für die Welt, in der wir leben." Die Einigkeit endete aber, als es um die Zusammenhänge zwischen dem Energiehunger westlicher Industrienationen und den Folgen dieses Hungers in armen Ländern des Südens ging. Präses Buß beschrieb die verheerende Konkurrenz landwirtschaftlicher Flächen in Ländern wie Thailand oder Brasilien. Dort stünden Anbaugebiete für Lebensmittel, für Viehfutter oder für Energiepflanzen in einem Verdrängungswettbewerb. Wenn immer mehr Boden zur Erzeugung von Biokraftstoff beansprucht werde - sei es aus Mais oder Palmöl -, dann führe das zu schwerwiegenden sozialen und ökologischen Folgen: "Wälder werden gerodet, das natürliche Gleichgewicht geht verloren, Menschen werden aus ihren Lebensräumen vertrieben, die Artenvielfalt bleibt auf der Strecke, steigende Lebensmittelpreise führen zu Hungerrevolten."
Die Probleme der Dritten Welt - wer verursacht sie?
Kemper wandte ein, dass wir in Deutschland, in Europa, den Raubbau an der Natur in Thailand nicht verhindern könnten: "Wir können die Probleme der Dritten Welt nicht lösen." Buß: "Wir erzeugen sie. Am Klimawandel, hauptsächlich verursacht von den reichen Ländern, zeigt sich die globale Ungerechtigkeit: Die Armen dieser Welt sind die Hauptleidtragenden." Die Finanzkrise verstärke die Probleme in armen Ländern und verdecke sie zugleich. Denn Dürrekatastrophen, überflutete Küstenregionen, knappe und teure Lebensmittel seien Folgen des Klimawandels, die aber zur Zeit als Nachrichten von den weltweiten Wirtschaftsproblemen verdrängt würden.
Quelle: Pressemeldung Evangelische Kirche von Westfalen
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