Die Überlebenden zu Lehrern machen
Das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der TU Berlin erhält als zweite europäische Institution neben der Freien Universität Berlin einen elektronischen Zugang zum Archiv des "Shoah Foundation Institute for Visual History and Education" der University of Southern California (USC): 120.000 Stunden Filmmaterial mit 52.000 Interviews mit Holocaust-Überlebenden sind hier gespeichert.
Das "Visual History Archive" entstand durch eine Initiative des Regisseurs Steven Spielberg. Während der Dreharbeiten zu seinem Film "Schindlers Liste" im polnischen Krakau äußerten Holocaust-Überlebende den Wunsch, auch vor der Kamera über ihre Erinnerungen zu berichten. Spielberg initiierte ein Projekt zur Dokumentation von Zeitzeugenberichten sowie die Gründung der "Shoah Foundation". Persönliche Erlebnisse und Erfahrungen aus der Zeit vor, während und nach dem Holocaust sollten hier für die nachfolgenden Generationen dokumentiert werden.
Von 1994 bis 1999 zeichnete die Organisation etwa 52.000 Interviews in 56 Ländern und 32 Sprachen auf, die meisten in Englisch, Russisch und Hebräisch, 931 aber auch in deutscher Sprache: Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, politisch Verfolgte und Opfer der Euthanasie berichteten ihre Erlebnisse. Doch auch Helfer, Retter, Befreier und Zeugen der Befreiung kamen zu Wort. Das gesammelte Filmmaterial von insgesamt etwa 120.000 Stunden des Shoah Foundation Institute ist heute Teil der USC.
Das Institut konzentriert sich nun auf die Bereitstellung dieses wichtigen und wertvollen Archivs für Forschungs- und Lehrzwecke. "Zuerst galt es, die Erinnerungen zu retten, bevor es zu spät ist. Und nun geht es darum, die Überlebenden zu Lehrern zu machen", so Spielberg. Zu Lehrerinnen und Lehrern werden die Überlebenden nun auch am ZfA der TU Berlin. Um das "Visual History Archive" einem breiten Publikum zugänglich zu machen, hat die FU Berlin eine Nutzung am ZfA ermöglicht. Ab sofort können dort Studierende, Lehrende und Forschende Einblicke in dieses wertvolle Archiv nehmen. Über eine Stichwortsuche können die für den Einzelnen wichtigen Passagen der durchschnittlich zwei- bis dreistündigen Interviews schnell herausgefiltert werden. Das "Visual History Archive" bildet eine für die Auseinandersetzung mit dem Holocaust wichtige Ressource insbesondere für die ZfA-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler.
Quelle: Pressemeldung Technische Universität Berlin
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