"Dieser Papst ist ein Geschenk an uns"

19.04.2010 | München
Kardinal Meisners Rückblick auf das bisherige Pontifikat Papst Benedikts XVI.

Im Januar veranstalteten wir in Köln das traditionelle Jahresgedächtnis an den Tod unseres Gründers Pater Werenfried van Straaten. Eines der Themen am Nachmittag im Maternushaus war ein Rückblick auf die fünfjährigen Jubiläen des Pontifikats von Papst Benedikt und des Weltjugendtages in Köln.

In einem Impuls zum Thema "Den Papst verteidigen - aber wie?" bezeichnete Joachim Kardinal Meisner Papst Benedikt als besonderes Geschenk an die Kirche.

Darüberhinaus erzählte er auch einige unterhaltsame Anekdoten, denn Kardinal Meisner und Papst Benedikt XVI. kennen sich schon lange und sind befreundet. Wir geben hier den Impuls in redigierten Auszügen wieder.

"Ich darf ja nichts aus dem Konklave verraten, aber was vor dem Konklave abläuft, darüber kann man reden. Ich bin 14 Tage vor dem Konklave an einem Sonntag bei ihm in seiner Wohnung gewesen. Da saß er hinter einem riesigen Berg von Akten und unterschrieb Urkunden, die Johannes Paul II. noch entschieden hatte, aber die er nicht mehr unterschreiben konnte.

Da fragte mich Joseph Ratzinger: Was willst du denn?

Ich sagte: Joseph, du wirst mich für verrückt halten, aber ich muss das einfach sagen: Du musst Papst werden.

Er sagte: Du bist wirklich verrückt.

Ich habe ihm gesagt: Du kannst das; du hast in deinen Lebenserinnerungen über deine Mutter gesagt, dass sie eine Alleskönnerin gewesen sei: sie konnte aus Nichts etwas machen. Und wenn der Sohn einer Alleskönnerin Papst wird, dann ist mir um die Kirche nicht bange.

Er sagte: Bete für mich, dass dieser Kelch an mir vorübergeht.

Als ich wieder wegging, hatte ich mich noch einmal umgedreht. Da saß er eingesunken und blass am Tisch, so dass er mir leid tat. Aber ich dachte mir: um der Kirche willen kann ich ihn nicht schonen.

Podium zum Thema 5 Jahre Papst Benedikt XVI. - 5 Jahre Weltjugendtag in Köln mit Joachim Kardinal Meisner (Erzbischof von Köln), Heiner Koch (Weihbischof im Erzbistum Köln), Nathanael Liminski (Generation Benedikt) (v.l.).

Ich hatte im Laufe der Woche in einem Geschäft in Rom eine kleine Lackdose mit einer Madonna mit drei Händen gekauft, wie man sie aus der orthodoxen Kirche kennt. Ich dachte: die kannst du mal jemandem schenken. Ach, die nehme ich dem Kardinal mit.

Als ich Kardinal Ratzinger wieder getroffen hatte, sagte ich zu ihm: Joseph, steck dir diese Dose in die Soutanentasche! Wenn du merkst, es läuft im Konklave auf dich hinaus, dann lauf uns nicht davon! Dann greif in die Soutanentasche und denk daran: Du hast deine eigene Mutter, die Alleskönnerin, und du hast die Muttergottes mit drei Händen. Dann kann nichts schiefgehen, und sag ja! Und so ist es dann auch passiert.

Als ich dann nach dem Konklave zur Huldigung kam, mussten wir alle vor dem neuen Papst antreten. Als ich auf ihn zukam, sagte er: Na du falscher Prophet! Und als ich auf seine Soutane schaute, [zeigte er auf die Tasche] und sagte: Die [Lackdose] ist da drin. (…)

"Fromm wie ein Erstkommunionkind"

Für mich personifiziert der Papst einerseits ein ganzes Dutzend hochstehender Theologieprofessoren, andererseits ist er so fromm wie ein Erstkommunionkind. Und diese Kombination macht ihn so glaubwürdig.

Er sagte mir, dass er nie die laute Anbetung durch die schweigende Jugend auf dem Marienfeld während des Weltjugendtages in Köln vergessen werde. Wir hatten acht Wochen später die Weltbischofssynode zum Thema Eucharistie. Jeder zweite Synodenvater hatte von diesem großartigen Ereignis in Köln gehört.

Bischöfe, die mit ihren Jugendlichen dort waren, sagten: In unseren Diözesen ist eine Anbetungsbewegung ausgelöst worden, die uns Mut und Zukunft gibt für eine neue Arbeit in unseren Diözesen, was Priesterberufungen und ähnliches anbelangt.

Während der Vigil auf dem Marienfeld beim Weltjugendtag in Köln (Foto: Ripka).

Dem Papst geht es wirklich um die Wahrheitsfrage. (…) Die Wahrheit Gottes, die führt mich zunächst zur Revision meines Lebens. Wir sind als Ebenbilder Gottes geschaffen, und das Ebenbild tendiert ganz nah zum Urbild. Wir sind ein Abbild, das Original ist das Höchste Gut, deswegen kann das Abbild nicht ungut sein wollen.

Und wenn wir doch dabei erwischt werden, dann bäumt sich das Ebenbild Gottes in mir auf, ich werde rot und fange an zu schwitzen, zum Beispiel wenn ich beim Lügen als junger Mensch erwischt wurde, meine Eltern haben mir das immer angesehen. Die Reaktion haben wir in uns, das Ebenbild Gottes reagiert entsprechend.

"Gott selbst hat ihn 78 Jahre für diese Aufgabe gedrillt"

Wir können den Papst nicht besser verteidigen, als wenn wir uns immer wieder der Gottesfrage, was sein Hauptthema ist, stellen. Wir müssen fähig werden, von unserer Hoffnung Rechenschaft abzugeben. Wir leben in einer multireligiösen Gesellschaft. Wenn man von seinem eigenen Glauben nichts weiß, ist man hoffnungslos preisgegeben. Wir brauchen wieder mehr Glaubenswissen, denn was ich nicht weiß, das macht mich nicht heiß.

Und die Wahrheit wird uns frei machen, davor brauchen wir keine Angst zu haben. Nur die Lügner müssen vor der Wahrheit Angst haben. Wir dürfen nicht schweigen, wir müssen die Wahrheit weitersagen.

Dieser Papst ist aller Verteidigung wert. Der liebe Gott selbst hat ihn 78 Jahre für diese Aufgabe gedrillt, damit er das übernehmen konnte. Wir müssen ihm zur Seite stehen, aber nicht nur indem wir "Bravo" sagen, sondern indem wir wirklich versuchen, auf die Fragen der Menschen vom Evangelium her zu antworten."

Quelle: Pressemeldung KIRCHE IN NOT / Ostpriesterhilfe Deutschland e.V.

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