Eigenes Tarifwerk von Kirche und Diakonie
Bielefeld/Hannover (epd). Die Einigung über eine bessere Bezahlung von Erzieherinnen an Kindertagesstätten wird voraussichtlich auch Auswirkungen auf die kirchlichen Kinderbetreuungseinrichtungen haben. Auf katholischer Seite prüften die zuständigen Kommissionen das Ergebnis der Einigung bereits, sagte der Geschäftsführer des Verbandes katholischer Tageseinrichtungen für Kinder, Frank Jansen, dem epd. Er gehe davon aus, dass die Vereinbarungen zwischen ver.di und den kommunalen Arbeitgebern zumindest in jenen katholischen Kindertagesstätten, die sich an den Tarifverträgen für kommunale Einrichtungen orientieren,"nachvollzogen" würden. Die katholischen Einrichtungen bräuchten Fachkräfte. Würden diese schlechter bezahlt als in städtischen Kindergärten, "sind wir nicht konkurrenzfähig", sagte Jansen.
Kircheneigenes Entlohnungssystem
Es sei ein richtiger Schritt, Erzieherinnen angemessener zu entlohnen. Er verwies aber darauf, dass die kirchlichen Arbeitgeber ein eigenes Entlohnungssystem haben, welches sich zudem von Diözese zu Diözese unterscheiden könne. Auf evangelischer Seite will man zunächst die Bestätigung der Einigung zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und den kommunalen Arbeitgeberverbänden abwarten. Der Tarifabschluss, nach dem Erzieherinnen ab November rund 120 Euro mehr im Monat bekommen sollen, muss noch bis zum 15. August in einer Urabstimmung von den Gewerkschaftsmitgliedern gebilligt werden.
Tarifeinigung in kirchlichen Kitas
Der Sprecher der Dienstgeberseite in der Arbeitsrechtlichen Kommission des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche, Karsten Gebhardt, sagte dem epd, die Entgelttabellen für Erzieherinnen in evangelischen Kindergärten seien zudem mit den Eingruppierungen in staatlichen Einrichtungen nicht vergleichbar. Wenn sich aber herausstelle, dass woanders mehr verdient werde, gleiche man sich normalerweise an, sagte Gebhardt, der auch Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Johanneswerks in Bielefeld ist. Dabei müsse aber berücksichtigt werden, dass Kirche und Diakonie ein eigenständiges Tarifwerk haben. So würden etwa Erzieherinnen am Beginn ihrer Laufbahn besser bezahlt als im staatlichen Dienst. Später gebe es dann aber weniger Gehaltsstufen. Die Gewerkschaft ver.di erwartet, dass sich die Tarifeinigung für die Erzieher in kommunalen Kindergärten auch auf die Beschäftigten in kirchlichen Kindergärten auswirkt. Annette Klausing vom Niedersächsischen ver.di-Landesbezirk in Hannover sagte am Dienstag dem epd, unter anderem werde der Fachkräftemangel für eine Anpassung an die höheren Gehälter der Kommunen sorgen. In den rund 9.000 evangelischen Kinderbetreuungseinrichtungen arbeiten rund 62.000 Teilzeit- und Vollzeitkräfte. In den rund 9.300 katholischen Einrichtungen sind nach Angaben des Deutschen Caritasverbandes über 81.000 Beschäftigte tätig. Der Tarifabschluss zwischen ver.di und den kommunalen Arbeitgebern betrifft rund 220.000 Beschäftigte und kostet Städte und Gemeinden mehr als eine halbe Milliarde Euro pro Jahr.
In weiter Ferne: Beitragsfreier Kindergarten
Die Kommunalverbände hatten gewarnt, durch die steigenden Personalkosten rücke das Ziel eines beitragsfreien Kindergartens in weite Ferne. Dazu sagte der Sprecher des Bundesfamilienministeriums, Jens Flosdorff, aus Sicht des Ministeriums gebe es klare Prioritäten. An erster Stelle stehe ein bedarfsdeckendes Angebot in guter Qualität. Langfristig sollten beitragsfreie Kindergartenjahre hinzukommen, wie heute schon das letzte Kindergartenjahr im Saarland und in Niedersachsen beitragsfrei sei. Im SPD-geführten Rheinland-Pfalz müssen Eltern für das letzte Kindergartenjahr ebenfalls nichts bezahlen, ab August 2010 soll jedes Kind ab zwei Jahren kostenlos in einen Kindergarten gehen können.
Quelle: Pressemeldung Evangelische Kirche von Westfalen
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