"Ein Wendepunkt der Weltgeschichte"
Donnerstag, 9. November 1989, kurz vor 19 Uhr. Auf einer Pressekonferenz informiert SED-Poltibüro-Mitglied Günter Schabowski über die Ergebnisse einer Tagung des Zentralkomitees. Unter anderem wurde bei dieser Sitzung über ein neues Reisegesetz debattiert.
Auf eine Rückfrage eines Journalisten zu dieser Gesetzesvorlage antwortete Günter Schabowski mit einem Satz, der Geschichte schreiben sollte:
"Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen … Die ständige Ausreise kann über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD beziehungsweise zu Berlin-West erfolgen."
Nach 28 Jahren war es also nun den DDR-Bürgerinnen und Bürgern möglich, ohne langwierige Grenzkontrollen in den Westen auszureisen. Schon bald versammelten sich Tausende Ost-Berliner an den innerstädtischen Grenzkontrollstellen. Um 21.20 Uhr wurde schließlich die Schranke am Grenzübergag in der Bornholmer Straße geöffnet - der Weg in den Westen war frei. Der Rest ist Geschichte.
Unser Gründer Pater Werenfried bezeichnet das Jahr 1989 als einen "Wendepunkt in der Weltgeschichte". Doch anfangs bremste er noch ein wenig die Euphorie in Deutschland, was nicht alle Wohltäter in dieser Zeit begrüßten. Er rief zur Skepsis auf, denn der Kommunismus gehöre noch nicht der Vergangenheit an.
"Lasst euch nicht mitreißen von der eitlen Hoffnung, dass Gorbatschow das Heil bringen wird", schrieb er 1990. Aber gleichzeitig war er davon überzeugt, "dass mit Gorbatschow ein Prozess begonnen hat, der letzten Endes nicht mehr rückgängig gemacht werden kann."
Hilfe für die Kirche in Osteuropa
In dieser Zeit des Aufbruchs und der Euphorie rief er dazu auf, die Christen hinter dem Eisernen Vorhang nicht zu vergessen, die unter dem jahrelang propagierten Atheimus gelitten haben. "Wenn wir jetzt nicht alles tun (…), wird die Kirche in vielen Gebieten Osteuropas nach menschlichem Ermessen keine Zukunft mehr haben. (…) Sie hungern nach Gerechtigkeit, Freiheit, Liebe und Wahrheit, in einem Wort: nach allem, wovon der Kommunismus die Verneinung ist. (…)
Laßt uns viel für sie beten, auf dass der Herr sie bald zu der vollen Wahrheit hinführe. Aber lasst uns auch für uns selbst beten, damit Gott uns reinige, so dass unser (…) Christentum der Wiedervereinigung mit jenen, die im Leid geläutert und auf der Suche nach der Wahrheit sind, nicht im Wege stehen."
Bis heute unterstützt unser Hilfswerk großzügig die Christen in den Staaten Osteuropas und in ehemaligen Sowjetrepubliken. Auch 20 Jahre nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs gibt es immer noch viel zu tun: Kirchliche Strukturen müssen ausgebaut, Gotteshäuser renoviert, Priesterseminare eingerichtet werden. Bitte helfen Sie auch weiterhin der Kirche in Not in Osteuropa und den ehemaligen Sowjetrepubliken.
* "Der Kampf ist noch nicht zu Ende" - Pater Werenfried über den Zerfall der kommunistischen Staaten (PDF)
* Unsere Hilfe für die Länder in Osteuropa
* Aktuelles Projekt: Bau einer Kirche in Litauen
* Aktuelles Projekt: Renovierung eines Pastoralzentrums in Serbien
* Buch "Christen in großer Bedrängnis" bestellen
Pater Werenfried über die Wende in Osteuropa:
Das Jahr 1989 war ein Wendepunkt in der Weltgeschichte. Groß und gewaltig kehrte sich Gott gegen die unverschämten Verfechter der Ungerechtigkeit, denen er Macht gegeben hatte, seine auserwählten Kinder zu kreuzigen.
Er hatte ihre Zeit bemessen. Als er das Maß ihrer Sünden gefüllt sah, stürzte er ihre Throne um. (…) Darum wartet er mit endloser Geduld, bis er sie wie verlorene Söhne an sein Vaterherz drücken kann. (…) Denn wenn sie auch große Verbrecher waren, dienten sie ihm dennoch, als sie seine wehrlosen Kinder quälten und töteten. Denn sie haben seinen Himmel mit Heiligen bevölkert.
Bis ihre Bosheit am Kreuz des Leidens gestorben ist, (…) bleiben sie Zielscheibe von Gottes Barmherzigkeit. Liebe Freunde, seid auch Ihr barmherzig! Denn ohne diese christliche Antwort an die Kirchenverfolger von gestern und ihre Knechte gibt es kein Christentum.
"Diese Zeit ist keine Atempause"
Die bolschewistische Revolution von 1917 geht jetzt mit weltweiter Schande und totalem Misserfolg zu Ende. Was übrig bleibt, ist das vergossene Blut von Millionen Opfern, ein Lebensstandard wie in der Dritten Welt, geistlicher Analphabetismus bei den meisten, die ohne Gott erzogen wurden, und vielleicht hundert Jahre Chaos in der Sowjetunion. Gott gab uns die Gnade, als die allerersten mit Händen voll Liebe und Trost durch die offenen Türen nach Osten zu gehen.
Wir wollen dort unsere Hilfe verdoppeln, aber nicht auf Kosten der Kirche in Not in anderen Erdteilen. Denn nach dem Greuel der Verwüstung kommt die Re-Evangelisierung der gequälten, betrogenen, verwundeten und todkranken Christenheit in Ost und West. Und in der Dritten Welt. Das ist unsere Aufgabe bis ins nächste Jahrtausend.
Darum ist diese Zeit keine Atempause. Aber eine Zeit, mehr zu beten, härter zu arbeiten, noch edelmütiger zu opfern und neue Helfer zu werben für die Kirche in Not.
Quelle: Pressemeldung KIRCHE IN NOT / Ostpriesterhilfe Deutschland e.V.
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