Einweihung Mainzer Synagoge: Teilnahme von jüdischen Gästen aus dem Ausland
Dies gilt im besonderen Maße für diejenigen Juden in aller Welt, die in Mainz ihre Wurzeln haben, hier geboren wurden, aufgewachsen sind, zur Schule gingen und die dann durch die rassistische Politik des nationalsozialistischen Regimes gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen."
Einige konnten gemeinsam mit ihren Eltern und Geschwistern emigrieren, andere wurden in jungen Jahren mit Kindertransporten ohne ihre Eltern ins Ausland, in die Fremde geschickt. Viele der in aller Welt verstreuten Mainzer Juden sind heute nicht mehr am Leben oder können aus Altersgründen die beschwerliche Reise nach Mainz nicht mehr auf sich nehmen. "Doch insgesamt 47 dieser "alten Mainzer" werden nun anlässlich der Synagogeneinweihung in ihre Geburtsstadt zurückkehren, um diese besondere Stunde hier mitzuerleben," freut sich der OB.
Die meisten von ihnen erinnern sich an die Gottesdienstbesuche in dem prachtvollen Kuppelbau zusammen mit ihren Eltern, vor allem an den hohen Feiertagen. Viele haben außerdem ganz persönliche Erinnerungen an dieses Gelände an der Hindenburgstraße, Ecke Josefsstraße, denn hier befand sich ab 1934 in einem Nebengebäude auch die Jüdische Bezirksschule, die von einem großen Teil der jüdischen Mainzer Kinder besucht wurde, nachdem sie ab 1933 zunehmend in allen öffentlichen Schulen Diffamierungen und Schikanen durch fanatische Lehrkräfte sowie Mitschülerinnen und Mitschüler ausgesetzt waren und schließlich aus diesen Schulen hinausgedrängt wurden. Sie denken auch gerne an ihre hervorragenden Lehrer zurück, von denen sie hier auf die Auswanderung vorbereitet wurden, und sie erinnern sich an die eindrucksvollen Persönlichkeiten von Rabbiner Sali Levi und Dr. Eugen Mannheimer, die die Schule leiteten.
"Für die Tage ihres Aufenthaltes in unserer Stadt haben wir ein Programm vorbereitet, um den Gästen das heutige Mainz zu zeigen, ihnen einige historische Informationen zu geben, z.B. mit einem Besuch in der Ausstellung "Magenza" im Stadthistorischen Museum auf der Zitadelle, und ihnen mit einer Schiffsfahrt auf dem Rhein einige schöne Stunden zu bereiten. Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern des Frauenlob-Gymnasiums wird sie bei einem Besuch auf dem Neuen Jüdischen Friedhof begleiten und ihnen den Weg zu den Gräbern ihrer Vorfahren weisen. Beigeordnete Marianne Grosse und ich werden die Gäste an je einem Abend begrüßen. Und natürlich freut sich auch Frau Schindler-Siegreich, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz, auf die Gäste aus dem Ausland und wird sie im Namen der Gemeinde in der neuen Synagoge und dem Gemeindezentrum herzlich willkommen heißen."
Zu den angekündigten Gästen zählen Julius Rothschild - mit 98 Jahren der älteste Teilnehmer -, Dr. Fritz Weinschenk, Bernhard Lazarus, David Otto Gebhardt, Margot Hanau geb. Jungermann und ihr Bruder Eric Jungermann, Gerti Meyer-Jorgensen geb. Salomon, Rudy Fraenkel, Kurt Mayer, Robert Heiden-Heimer und Rafi Shatil. Erwartet werden auch einige Kinder und Enkel von Mainzer Juden, denn auch die zweite und dritte Generation nimmt Anteil an diesem wichtigen Tag in der Geschichte der Stadt ihrer Vorfahren. Dr. Fritz Weinschenk aus New York hat es übernommen, bei der Feier einige Worte im Namen der "ehemaligen Mainzer" zu sprechen.
Quelle: Pressemeldung Stadt Mainz
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