Erneut Angriff auf Christen in Pakistan

15.09.2009 | München
Wütende Menschenmenge zündet Kirche an - viele Einwohner sind geflohen

Fanatische Islamisten haben erneut Christen in Pakistan angegriffen und eine Kirche in Brand gesteckt. Der Überfall ereignete sich bereits am vergangenen Freitag in der nordostpakistanischen Ortschaft Jethki nahe der Stadt Sialkot.

Eine mit Stöcken und Steinen bewaffnete Menschenmenge drang in das überwiegend von Christen bewohnte Dorf ein und steckte die örtliche Kirche in Brand. Sie drohte den Einwohnern mit dem Tod. Hunderte Christen flüchteten daraufhin aus Jethki, verletzt wurde niemand.

Nach Angaben des Generalvikars der Erzdiözese Lahore, Andrew Nisari, war der Auslöser für den Angriff eine Romanze zwischen einer 18-jährigen Muslimin und einem zwei Jahre älteren christlichen Mann.

Um die unerwünschte Verbindung zu lösen, habe die Mutter der Muslimin behauptet, das Paar habe den Koran geschändet und damit das pakistanische Anti-Blasphemie-Gesetz gebrochen. Der örtliche Imam habe seine Gläubigen daraufhin zu der Gewalttat angestachelt.

Generalvikar Andrew Nisari.

Nisari berichtet, dass die Christen in der Region nach dem jüngsten Angriffen eingeschüchtert seien. Er fordert erneut, das Gesetz abzuschaffen. Es gebe Unruhestiftern ein "unsichtbares Schwert" in die Hand, mit dem sie an allen missliebigen Personen allein dadurch Rache üben könnten, indem sie sie der Blasphemie bezichtigen.

Der der Koranschändung angeklagte Christ war am Freitag festgenommen worden. Generalvikar Nisari hatte das anfangs begrüßt, da er hoffte, dass der Angeklagte so vor möglichen Angriffen der Fanatiker geschützt sei.

Die örtlichen Behörden untersuchen nun den Fall. Wie die Nachrichtenagentur asianews am Dienstagnachmittag meldete, ist der festgenommene Christ am Morgen (Ortszeit) tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden worden.

Sein Körper weise sichtbare Verletzungen auf, meldet die Agentur und zitiert einen Menschenrechtsaktivisten. Die Polizei gehe dagegen von einem Selbstmord durch Erhängen aus. Auf Fotos, die asianews vorliegen, sollen die Verletzungen zu sehen sein. Sie weisen allerdings nicht auf eine Strangulation hin.

Weiterer Angriff auf Christen bei Karachi

Der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari hatte bereits am Tag nach der Attacke die Angriffe verurteilt und schnelle Hilfe für den Wiederaufbau der ausgebrannten Kirche versprochen. Zu einer möglichen Änderung des Anti-Blasphemie-Gesetzes äußerte er sich jedoch nicht.

Laut asianews gab es am vergangenen Samstag einen weiteren Angriff einer muslimischen Menschenmenge in der Nähe von Karachi. Ähnlich wie in Jethki ging es hierbei auch um Blasphemie-Vorwürfe gegen einen Christen.

Die wütende Gruppe fanatischer Muslime warf anfangs Steine gegen das Haus eines 40-jährigen Christen. Anschließend wollten sie die katholische Kirche stürmen, doch durch das schnelle Eingreifen der Polizei wurde ein Blutvergießen verhindert. Der 40-Jährige konnte sich verstecken, sein Neffe wurde festgenommen

Quelle: Pressemeldung KIRCHE IN NOT / Ostpriesterhilfe Deutschland e.V.

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