G8-Gipfel: Religionen sollen menschlichere Gesellschaften schaffen und fördern
"Gerade angesichts der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise dürfen wir Religionsführer nicht aufhören, die Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten aufzurufen, die Würde aller Menschen zu achten und die Sicherung beziehungsweise Schaffung lebensdienlicher Formen des Wirtschaftens zu fordern", sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland heute Nachmittag in seinem Grußwort an die Tagungsteilnehmer in Rom. Schneider, der zugleich Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, vertritt den Ratsvorsitzenden Bischof Wolfgang Huber beim Treffen der Religionsführer aus Anlass des bevorstehenden G8-Gipfels.
"Die humane Qualität einer Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass die Würde der Armen, der Alten, der schwachen und kranken Leute gewahrt bleibt, und zwar jenseits der Grenzen von Rasse, Nationalität oder Volk. Deshalb sind auch die Fremden ihrer menschlichen Würde gemäß zu behandeln: sie sind Geschöpfe Gottes", unterstrich der 61-jährige Theologe in der italienischen Hauptstadt. Die humane Qualität einer Gesellschaft zeichne sich auch durch ihre Friedensorientierung und Begrenzung von Gewalt aus. Dass das Gewaltmonopol dabei durch einen demokratisch legitimierten Staat ausgeübt werde, sei ein grundlegendes Element. Zudem kennzeichneten die Möglichkeit der freien Religionsausübung und die Zurückweisung aller (staatlichen) totalitären Ansprüche gegenüber Menschen eine humane Gesellschaft. Präses Nikolaus Schneider: "Religionen sollen zu einem solchen Verständnis der menschlichen Gesellschaft als Teil der Schöpfung Gottes beitragen. Religionen sollen aber keinen Anspruch der Herrschaft mit staatlicher oder anderer Gewalt erheben. Doch sie sind aufgerufen, die Vermenschlichung unserer Gesellschaft möglich zu machen und zu fördern."
Der G8-Gipfel der Staats- und Regierungschefs findet vom 8. bis 10. Juli in Italien statt. Am Religionsführertreffen heute und morgen im italienischen Außenministerium nehmen u.a. mehr als 80 Vertreterinnen und Vertreter von Religionsgemeinschaften aus aller Welt teil.
Quelle: Pressemeldung Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR)
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