Gerufen, geweiht, gesendet
In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Zahl der Christen in Afrika nahezu verdreifacht auf heute 146 Millionen Menschen. Siebzehn Prozent der Afrikaner bekennen sich zum katholischen Glauben.
Dieser Aufbruch trotz Krieg, Völkermord, Unrecht und Ausbeutung ist nur möglich, weil die Kirche Afrikas eine Kirche der Versöhnung ist, die auf den Ruf Gottes hört. "Die versöhnte Kirche ist mächtiger Sauerteig der Versöhnung auf dem gesamten afrikanischen Kontinent", so Papst Benedikt XVI. wörtlich.
Deshalb ist sie auch eine Kirche der Berufungen. Fast überall wachsen die Seminare. Ein beeindruckendes Beispiel ist das Seminar "Mgr. Louis Parisot" von Tchandvedji in der Diözese Lokossa in Benin. Vor nicht einmal 15 Jahren wurde es mit 62 Priesteramtskandidaten eröffnet. 2008 waren es schon 220 und bis dahin wurden 400 junge Männer zu Priestern geweiht.
Im Seminar "Mgr. Parisot" wird viel gebetet und studiert. Heilige Messe am Morgen nach der Laudes um halb sieben, Lesung, Anbetung, Rosenkranz. Dazwischen Blockstunden Studium. Rektor Abgihounko Hyacinthe weiß, was er seinen Schützlingen zutrauen kann und muss. Sie brauchen eine solide philosophische und theologische Ausbildung, denn die Herausforderungen durch den Islam und vorchristliche Traditionen sind stark.
Sie müssen aber auch lebenstüchtig sein. Deshalb steht jeden Tag auch eine Stunde Gartenarbeit oder Viehhaltung auf dem Programm. Auch Bügeln, Nähen und Haareschneiden müssen die Seminaristen lernen. Damit können sie ihre steigenden Kosten zu einem Teil wenigstens aufbringen. Mehr soll es aber auch nicht sein.
"Gerufen, geweiht, gesendet! Diese dreifache Dimension erklärt und bestimmt Eure Lebensführung und Euren Lebensstil", sagte Johannes Paul II. 1982 den Priestern. Er erklärte auch warum: "Wenn man bedenkt, dass die Eucharistie das größte Geschenk Gottes an die Kirche ist, wird sofort die Notwendigkeit einsichtig, wie inständig wir um Priester bitten müssen, eben weil das Priestertum und jeder einzelne Priester ein Geschenk ist."
Und deshalb stehen Gebet und Studium auch in Tchandvedji an erster Stelle. Pater Jules Fortuné, der Ökonom des Seminars, rechnet vor, was ein Seminarist pro Jahr kostet : 1123 Euro. Die Bischofskonferenz von Benin bittet uns um 34 Teil-Stipendien für das laufende akademische Jahr.
Wer sich so umfassend, so fleißig und solide auf sein Hirtenamt vorbereitet, dem kann man diese Bitte nicht versagen. Wir haben 10.200 Euro versprochen. Vielleicht wird der frische Atem der spirituellen Lunge Afrikas auch einmal Europa und Nordamerika beleben.
Quelle: Pressemeldung KIRCHE IN NOT / Ostpriesterhilfe Deutschland e.V.
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