Heiliges Land: "Ein Traum geht in Erfüllung"

11.05.2009 | München
Der Papstbesuch stärkt die Christen in Israel, Jordanien und Palästina

Mit großer Anspannung sind in den vergangenen Tagen, als der Papst in Jordanien war, die letzten Vorbereitungen getroffen worden. Polizeiautos sind immer wieder dieselben Straßen in Jerusalem und Nazareth abgefahren. In den Räumen, in denen die Vorbereitungskomitees für den Besuch des Papstes tagen, hat bis tief in die Nacht Licht gebrannt.

Nicht nur den Christen im Heiligen Land, sondern auch dem Staat Israel ist der Besuch in der gegenwärtigen Situation mit der neuen Regierung unter Benjamin Netanjahu wichtig.

"Wir heißen den Papst mit offenen Armen willkommen", sagt der ehemalige israelische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Oded Ben Hur, der den hohen Besuch mit vorbereitet hat.

Eine Reise zu "lebendigen Steinen"

Von arabischer Seite wurde befürchtet, die Reise des Heiligen Vaters könnte als Zustimmung für die israelische Politik gewertet werden. Christliche Vertreter schrieben daher schon vor einigen Wochen an den Papst, er möge seine Reiseabsichten überdenken.

Papst Benedikt XVI. hat aber von Anfang an klargestellt, dass er als Pilger komme und eine Pastoralreise zu den "lebendigen Steinen" unternehme. So bezeichnete er die wenigen verbliebenen Christen in der Region. "Wir sind keine politische Macht, sondern eine geistliche Kraft, und diese geistliche Kraft ist eine Realität, die zum Fortschritt des Friedensprozesses beitragen kann", sagte der Papst noch im Flugzeug im Anflug auf Amman, wo seine Reise am Freitag begann.

Katholischer Gottesdienst in der Diözese Akka / Israel.

Katholischer Gottesdienst in der Diözese Akka / Israel.

Pater Robert Jauch von der Franziskaner-Kustodie in Jerusalem, der beim letzten Kongress "Treffpunkt Weltkirche" von KIRCHE IN NOT im Jahr 2008 aus dem Heiligen Land berichtet hat, räumt ein, dass er die Argumente für einen Aufschub der Reise anfangs nachvollziehen konnte: "Ich war auch der Meinung, dass der Papstbesuch noch etwas Zeit hätte, sozusagen als Trumpf in der Hand der Kirche, bevor nicht einiges besser geworden ist, wie zum Beispiel die Reisebedingungen für die Christen im Westjordanland, um zu den heiligen Stätten zu kommen."

So nah - und doch so weit weg

Nur wenige der Gläubigen aus Bethlehem, das höchstens eine halbe Stunde Linienbusfahrt von Jerusalem entfernt liegt, hätten die Grabeskirche schon besucht. Die israelische Sperranlage und die damit verbundenen Einreisebedingungen machten selbst so eine kurze Pilgerfahrt enorm schwierig.

Pater Robert Jauch.

Pater Robert Jauch war Gast bei unserem internationalen Kongress "Treffpunkt Weltkirche" 2008 in Augsburg.

Inzwischen glaubt Pater Robert Jauch aber, der Papst versuche durch seinen Aufenthalt im Nahen Osten die Situation der Gemeinden dort zu verbessern. "Er möchte auch, dass es ein wirklich geistliches Ereignis wird", sagt der Franziskaner.

Die Franziskaner-Kustodie wurde im Jahr 1342 durch eine päpstliche Bulle als Hüter der heiligen Stätten und Seelsorger im Ursprungsland des Christentums eingesetzt. Damit sind die Franziskaner durch ihren Dienst und ihr Engagement für arme Menschen in 29 Pfarreien, darunter in Jerusalem, Bethlehem und Nazareth, echte Experten für die Situation der Christen im Heiligen Land.

Pater Robert kennt daher die Erwartungen an den Papstbesuch: "Den "normalen Gemeindemitgliedern" liegt zunächst daran, den Papst sehen zu können, bei der Messe mit ihm dabei zu sein." Er befürchte jedoch, dass nicht alle, die dabei sein wollten, teilnehmen könnten.

Angaben des Lateinischen Patriarchats zufolge stehen sowohl in Jerusalem als auch in Bethlehem jeweils nur 5000, höchstens 6000 Plätze zur Verfügung, von denen jeweils 500 bis 1000 für ausländische Besucher vorbehalten sind, die als Pilger ins Heilige Land kommen.

In Gaza leben nur noch 3000 Christen

Eine der größten Veranstaltungen der Nahostreise wird eine Heilige Messe bei Nazareth sein, zu der mehr als 40 000 Gläubige erwartet werden. Von den 3000 in Gaza verbliebenen Christen, die den Krieg um die Jahreswende ertragen mussten, wollen 200 bis 250 ins Westjordanland fahren, um Papst Benedikt XVI. zu begegnen.

"Die Menschen hoffen auf Ermutigung, ihre Situation auszuhalten, und erwarten Segen von diesem Besuch", sagt der Franziskanerpater. Die Gläubigen wollten sich einfach auch einmal aus ihrer Alltagssituation im Spannungsgebiet heraus "geistlich erheben".

Der melkitisch-katholische Erzbischof Elias Chacour bei der Feier eines Gottesdienstes.

Der melkitisch-katholische Erzbischof Elias Chacour bei der Feier eines Gottesdienstes.

Der melkitisch-katholische Erzbischof von Galiläa, Elias Chacour, bestätigt diese Erwartungen auch für die arabischen Christen mit israelischem Pass. "Wir träumten davon, ihn im Vatikan zu treffen, nun kommt er her", sagt der mit Rom unierte Erzbischof in seinem Bischofshaus in Haifa.

Unterstützung von KIRCHE IN NOT

Die Tatsache, dass der Papst für die Christen die Messe zelebrieren wird, sei de facto eine wichtige Anerkennung der Christen gegenüber ihren muslimischen und jüdischen Mitbürgern. Die Christen müssten einfach wieder das Gefühl bekommen, respektiert zu werden, sagte Chacour. Das sei ihnen in der andauernden Konfrontation zwischen Juden und Arabern abhanden gekommen.

Dies sei auch der Grund, warum die Gemeinden immer kleiner würden. Von allen Migranten aus der Region sind 26 Prozent Christen, obwohl sie nur 1,9 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Erzbischof Chacour, der schon oft auf unseren Veranstaltungen gesprochen hat, dankte für die treue Unterstützung durch unser Hilfswerk. Wörtlich sagte Chacour: "Ich vergesse so etwas nie."

Ein Beitrag von Michaela Koller.

Quelle: Pressemeldung KIRCHE IN NOT / Ostpriesterhilfe Deutschland e.V.

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