Heimat ist da, wo ich mich nicht erklären muss
Schnell füllt sich das Gemeindehaus. 100 bis 130 Gottesdienstbesuchende sind normal. Es können auch mal fast 200 werden, weiß Pfarrer Rainer Heuschneider. Mehr passen nicht ins Gemeindehaus. Die Veranstaltungen haben ein Thema. "Heimat(los)" beispielsweise. An den Fenstern sind Zitate zum Thema zu lesen. "Heimat ist, wo wir unseren Lebensfaden festgemacht haben." Oder: Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl. Zu Beginn erhalten die Gottesdienstbesucher eine Frage, die sie mit den Sitznachbarn bedenken: Was bedeutet für mich Heimat?
Wo der Herd steht
Auch die vielen älteren Teilnehmer lassen sich auf die Gespräche in so genannten Murmelgruppen ein. Heimat ist, wo mein Herd steht, sagt eine Frau. Heimat ist da, wo man sich wohl fühlt. Da wo meine Familie und Freunde sind. Heimat ist da, wo ich mich nicht erklären muss. Dann folgen die einzelnen Gottesdienstelemente schnell und kurzweilig. Ein Pantomimetheater zeigt das Gefühl, ausgegrenzt und angenommen zu werden. Eine Powerpoint-Präsentation vermittelt in Text und Bild Gedanken zum Thema. Dann die Kurzpredigt. Heimat ist bei Gott, bei Gott muss ich mich nicht erklären. Die Predigt hält nicht automatisch der Pfarrer, sondern es kann auch ein Teammitglied sein.
Vaterunser und Segen stehen fest, alles andere wechselt
Die Idee der Guten-Abend-Kirche in Holzhausen ist, kirchenferne Menschen mit dieser anderen Gottesdienstform zu erreichen. Im Blick hatten die Mitarbeitenden Menschen zwischen 30 und 50 Jahren und Familien. Geboren wurde die Idee zu einem anderen Gottesdienst auf einem Mitarbeiterabend. Im Winterhalbjahr 2004 fand der erste Gottesdienst statt. Geplant werden seitdem jeweils sechs Gottesdienste pro Winterhalbjahr. Es gibt eine feste Minimal-Liturgie: Vaterunser und Segen. Alle anderen Bestandteile wechseln: Lieder, Predigt, Vortrag, Moderation, Pantomime, Talkrunde, Gedicht, Theaterstück und weitere Möglichkeiten. Abwechslungsreich und kurzweilig sollen die einzelnen Abschnitte sein, nicht textlastig und auch nicht allzu meditativ. Interaktive Elemente wie Interviews oder Gespräche werden gerne aufgegriffen.
Der Pfarrer ist Team-Mitglied wie die anderen
Der andere Gottesdienst findet immer im Gemeindehaus statt. Er soll nie länger als eine Stunde dauern. Manchmal sind es auch nur 45 Minuten. Die Besucher sind jünger als in einem normalen Gottesdienst. Kinderbetreuung wird angeboten. Zum Vorbereitungsteam gehören sieben Personen, fünf davon sind schon von Anfang an dabei. Zusätzlich gibt es ein Bistroteam, ein Deko-Team, ein Musikteam und ein Technik-Team. Insgesamt werden etwa 15 bis 20 Personen benötigt, um den Gottesdienst zu gestalten. Der Pfarrer ist normales Team-Mitglied. Jeweils zwei Abende werden benötigt, um einen Gottesdienst vorzubereiten. Im Laufe der Jahre sind die Teams zusammengewachsen. Es besteht eine gute Gemeinschaft. Und warum heißt der Gottesdienst 3 nach 6? Die Antwort weiß Pfarrer Rainer Heuschneider: "Um 18 Uhr läuten bei uns täglich für drei Minuten die Glocken und würden den Gottesdienstbeginn stören. Daher fangen wir erst um 18.03 Uhr an und haben dem Gottesdienst den entsprechenden Namen gegeben."
Quelle: Pressemeldung Evangelische Kirche von Westfalen
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