Internationale Religionsvertreter fordern geistige Umkehr anlässlich der Finanzkrise
Im Vorfeld des diesjährigen G 8-Gipfels, der im Juli in L'Aquila (Italien) stattfinden wird, trafen sich vom 16. bis 18. Juni rund 130 hochrangige Vertreter der Religionen zur IV. multireligiösen Versammlung in Rom. Sie forderten von den Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten angesichts der weltweiten Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise eine geistige Umkehr und die Hinwendung zu einer gerechten Teilhabe aller Menschen an den Gütern dieser Erde.
Der rheinische Präses Nikolaus Schneider, Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), erinnerte an den "Ruf aus Köln", den die internationale Religionsführerkonferenz 2007 verabschiedet hatte, und forderte angesichts der katastrophalen Situation vor allem afrikanischer Seeflüchtlinge in Süditalien einen menschenwürdigen Umgang mit den fliehenden Menschen und ein sofortiges Ende der Abschiebungen nach Libyen.
In seiner Eröffnungsrede unterstrich der Präses, dass die Religionen ihre Zusammenarbeit verstärken sollten, um dem Verständnis einer menschlichen Gesellschaft als Teil von Gottes Schöpfung Gehör zu verschaffen. "Solch eine Gesellschaft braucht Schutz, sie muss in grundlegenden Werten verankert sein und die Entwicklung hin zu einer gerechten und nachhaltigen globalen Lebensgemeinschaft fördern, die die Teilhabe aller ermöglicht." Religionen dürften keinen Anspruch darauf erheben, Macht und politische Gewalt ausüben zu wollen, so Nikolaus Schneider. "Sie sind aber aufgerufen, die Humanisierung unserer Gesellschaften zu ermöglichen und zu fördern."
Die Versammlung endete mit einem Aufruf aus Rom. Darin fordern die Vertreter unter Anderem größere Aufmerksamkeit für die wachsende Migration und die Tatsache, dass diese durch den Klimawandel weiter massiv verstärkt werden könnte. Im Blick auf die weltweite Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise rufen die Religionsvertreter die Regierungen auf, Steueroasen zu schließen und die Umsetzung der Millenniumsziele der Vereinten Nationen weiter zu verfolgen.
Vertreten waren Religionsführer aus allen Kontinenten, darunter der armenische Katholikos Aram I., Patriarch Paulos (Äthiopien), Homi Dhalla (Indien), Präsident der Zoroastrier, Erzbischof Gérard Defois (Frankreich), Präsident von Justitia und Pax Europa, Fu Xian Wei (China), Präsident der offiziellen protestantischen Kirchen, Domenico Maselli (Italien), Präsident der Vereinigung ev. Kirchen, Bischof Gerhard Ludwig Müller (Regensburg), Rabbi Mordechai Piron (Israel), em. Oberrabbiner, Seitaro Nakajima (Japan), Andrea Riccardi (Italien), Gründer der Gemeinschafft Sant"Egidio.
Quelle: Pressemeldung Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)
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