Mehr Mittel für Qualifizierung der Fachkräfte an KiTas und Frühförderung gefordert
Für die Qualifizierung der Fachkräfte an Kindertageseinrichtungen sowie für die Frühförderung der Kinder unter drei Jahren müssen deutlich mehr Ressourcen bereitgestellt werden als bisher. Zu diesem Ergebnis kam das 3. Bildungspolitische Forum der Evangelischen Kirche von Westfalen zur Bildungsgerechtigkeit am Dienstag (12.5.) in der Tagungsstätte Haus Villigst in Schwerte. Nur so könne der Benachteiligung vor allem von Kindern mit Migrationshintergrund und aus sozial schwachen Familien in unserem Bildungssystem wirksam begegnet werden, hieß es. Die vom landeskirchlichen Pädagogischen Institut (PI) veranstaltete Fachtagung unter dem Thema "Jedes Kind zählt - Bildungsgerechtigkeit und frühe Kindheit" setzte sich mit den Defiziten in bestehenden Bildungs- und Betreuungsangeboten auseinander.
Der Trend stößt an die Qualitätsgrenze
Maria Loheide vom Geschäftsbereich Familie, Bildung, Arbeit im Diakonischen Werk Westfalen (DWW) in Münster kritisierte, dass die in dem Kinderbildungsgesetz (KiBiz) geforderte Fachlichkeit nicht Schritt halten könne mit dem Tempo, mit dem infolge des Gesetzes zurzeit der Ausbau von Plätzen für Kinder unter drei Jahren vorangetrieben werde. 20.000 sind nach ihren Angaben im vergangenen Kindergartenjahr entstanden, 60.000 sollen es im nächsten sein. "Der Trend stößt an die Qualitätsgrenze", sagte Loheide. Es gebe "erhebliche Probleme" bei der Betreuung dieser Kinder. Sie hält hier mehr Ressourcen und eine Qualifizierung der Fachkräfte für "zwingend erforderlich".
Inhaltliche Korrektur des KiBiz erforderlich
Loheide hält auch eine inhaltliche Korrektur des KiBiz im Rahmen der gegenwärtig in NRW diskutierten Bildungsvereinbarung für den Elementar- und Primarbereich für dringend erforderlich. Bisher stehe im KiBiz zu sehr "die Verwertbarkeit mit Blick auf Schule" im Vordergrund. Loheide warnt mit Blick auf das sich von Schule in Auftrag und Methodik unterscheidende Bildungsverständnis in Kindertageseinrichtungen vor einer "Verschulung im Elementarbereich". Das dürfe nicht passieren. Bei der Ressourcenverteilung plädierte Loheide für eine Umverteilung der Mittel zugunsten des Elemetarbereichs. So hätten Kindertageseinrichtungen in sozialen Brennpunkten einen höheren Finanzbedarf als über die bisherigen Pauschalen abgedeckt sei, denn hier sei mehr Personal erforderlich.
Konjunkturprogramm für Humanressourcen
"Bei der Umsetzung des KiBiz klafft eine große Lücke, weil das Geld fehlt", kritisierte auch Stefan Drubel von der Evangelischen Kirche im Rheinland. Er forderte Nachbesserungen bei der Qualifizierung. Der theologische Dezernent in der Abteilung Erziehung und Bildung des Landeskirchenamts in Düsseldorf plädierte für "ein drittes Konjunkturprogramm, das in Humanressourcen investiert". Auch nach seiner Wahrnehmung sind personell "die Kapazitätsgrenzen in den Familienzentren schon jetzt erreicht, vielerorts sogar überschritten". Grundvoraussetzung für eine qualitativ gute Erziehungsarbeit sei eine generell bessere Bezahlung der Erzieherinnen und Fachkräfte, sagte Drubel. An die eigene Adresse gerichtet, warnte Drubel davor, Kindertageseinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft aufzugeben, weil die Ressourcen knapper werden. Denn das bedeute eine "Abkoppelung von der gesellschaftlichen Entwicklung" in einer Situation, in der die Kirchen auf Gemeinde wie auf landeskirchlicher Ebene gefordert seien, ihren Beitrag zur Chancengerechtigkeit zu leisten. "Es muss eine landeskirchlicher Dienstleistung sein, unsere Einrichtungen in der Kirchengemeinde zugänglich zu machen", sagte Drubel. Er forderte von den Landeskirchen und ihren Kirchengemeinden, frühkindliche Förderung und Bildungsgerechtigkeit in ihr Leitbild aufzunehmen.
Quelle: Pressemeldung Evangelische Kirche von Westfalen
Dieser Beitrag wurde bisher 51 mal gelesen.
(Rang 978 auf religionen-und-kirche.de)
Weitere News
Pakistan: Unterdrückung und Hoffnung
24.11.2011 | Die Lage der Christen und anderer nicht-muslimischer Minderheiten in Pakistan
weiter in Pakistan: Unterdrückung und ...Online-Adventskalender basteln und verschenken
23.11.2011 | Evangelische Aktion "Alles hat seine Zeit - Advent ist im Dezember"
weiter in Online-Adventskalender basteln und ...Wohin steuert Ägypten?
15.11.2011 | Interview mit dem Seelsorger der deutschsprachigen Katholiken im Nahen Osten
weiter in Wohin steuert Ägypten? ...Schnäppchenjäger aufgepasst: Münchner Airport versteigert Fundsachen
08.06.2011 | Weil jeden Tag weit über 100.000 Fluggäste den Münchner Airport nutzen, liegt es auf der Hand, dass immer...
weiter in Schnäppchenjäger aufgepasst: ...Voraussetzungen für gerechteres und leistungsfähigeres Schulsystem geschaffen
20.05.2011 | Die Ergebnisse der Bildungskonferenz stoßen bei den evangelischen Kirchen in NRW auf große Zustimmung. Die...
weiter in Voraussetzungen für gerechteres und ...Aktuelles
Sexualisierte Gewalt bekämpfen
Ökumenischer Arbeitskreis Kirche und Sport tagt in Bad Boll
weiter ...Neuigkeiten
Wie Europas erster Notenbanker die Bürger erleichterte
Wenn heute von einem "schwerreichen" Zeitgenossen gesprochen...
weiter ...Weitere Themen
Kirchliche Hilfswerke fordern politische Lösung für Somalia
Aus Anlass der Eskalation der Kriegshandlungen in Somalia...
weiter ...Buch über Christen im Irak erschienen
Bilder und Geschichten von einer Reise in einen Brennpunkt...
weiter ...Archiv
Pakistan: Unterdrückung und Hoffnung
Die Lage der Christen und anderer nicht-muslimischer...
weiter ...Online- Adventskalender basteln und verschenken
Evangelische Aktion "Alles hat seine Zeit - Advent ist im...
weiter ...Verschiedenes
Gleiche Rahmenbedingungen für alle Freiwilligendienste
EKD-Bevollmächtigter würdigt Erfolgsgeschichte der...
weiter ...
