Neue Glocken von St. Stephan erklingen zum ersten Mal
Am Freitag, den 27. Februar 2009, kurz vor 12.00 Uhr, läuteten zum ersten Mal die neuen Glocken von St. Stephan in Mainz. 67 Jahre nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg besitzt die Kirche nun wieder ein Geläut, das ihrer Größe und Bedeutung entspricht. Die Anschaffung der Glocken sowie die notwendige Renovierung des Glockenturms hat der Mainzer Technologiekonzern SCHOTT mit einer Spende von 200.000 Euro finanziert.
Das erste Läuten war Abschluss und Höhepunkt einer von der Stadt Mainz ausgerichteten Gedenkstunde anlässlich der Zerstörung der Stadt durch alliierte Bombenangriffe am 27. Februar 1945. Die Veranstaltung, die in den vergangenen Jahren stets in der Ruine von St. Christoph begangen wurde, fand in diesem Jahr aus besonderem Grund in St. Stephan statt. Zu den Rednern gehörte auch der Vorsitzende des Vorstandes der SCHOTT AG, Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer. Er betonte, dass nach Kriegsende wohl die äußere Gestalt von St. Stephan wieder hergestellt worden sei, das Geläut jedoch schmerzlich vermisst wurde. SCHOTT, das in diesem Jahr 125-jähriges Bestehen feiert, betrachte die Unterstützung dieses Projekts als Teil seiner Unternehmenskultur und als eine bedeutende Aktivität im Jubiläumsjahr. Mit den neuen Glocken habe "unsere Heimatstadt ein Stück Identität zurückerhalten", so der Vorsitzende des Vorstandes. Ausdruck der engen Verbundenheit zu Mainz und seiner Bevölkerung war auch die Mitwirkung des SCHOTT Werksorchesters an der Feierstunde.
Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer dankte "den vielen klugen Köpfen und fleißigen Händen", die mit ungewöhnlichem Engagement über fast eineinhalb Jahre hinweg das heutige Ereignis möglich gemacht hätten. Er dankte vor allem Eberhard Münch für die einzigartige künstlerische Gestaltung der Glocken, Albert Bachert für den gelungenen Glockenguss sowie dem für das gesamte Projekt verantwortlichen Architekten Alwin Bertram.
Kurz vor 12.00 Uhr erklangen dann erstmals die neuen Glocken. Durch den Einsatz einer Kamera in der Glockenstube konnte dieser historische Moment auf Bildschirmen im Kirchenschiff mitverfolgt werden. Nach kurzer Zeit stimmten dann die Glocken des Doms St. Martin und die Glocken der anderen katholischen und evangelischen Kirchen der Innenstadt mit ein.
Das Schicksal der alten Glocken von St. Stephan
Die fünf alten Glocken von St. Stephan stammten aus den Jahren 1544 und 1545. Im Zweiten Weltkrieg wurden sie nicht beschlagnahmt und eingeschmolzen. Das Geläute verstummte allerdings am Vormittag des 12. August 1942, als der Glockenstuhl nach einem nächtlichen Fliegerangriff durch Funkenflug in Flammen aufging und die Glocken teilweise schmolzen oder durch das Gewölbe in den Kirchenraum stürzten und zerbarsten. Eine zerbrochene Glocke wird im Kreuzgang aufbewahrt.
Daten und Fakten zu den neuen Glocken von St. Stephan
Die neuen Glocken sind nach den drei Patronen von St. Stephan benannt: hl. Maria Magdalena, hl. Stephanus und hl. Willigis.
Hl. Maria Magdalena: Schlagton g, Gewicht 800 Kilogramm, Durchmesser 108 Zentimeter
Hl. Willigis: Schlagton e, Gewicht 1.400 Kilogramm" Durchmesser 128 Zentimeter
Hl. Stephanus: Schlagton d, Gewicht 1.900 Kilogramm, Durchmesser 145 Zentimeter
Beatrix-Glocke: Schlagton fis. Drittälteste Glocke der Stadt Mainz (1493). Gewicht 1.100 Kilogramm, Durchmesser 118 Zentimeter. 1950 wurde sie aus der kriegszerstörten Emmeranskirche nach St. Stephan übertragen. Sie läutete seither als einzige Glocke von St. Stephan.
Die vier Glocken von St. Stephan haben ein Gewicht von insgesamt 5.200 Kilogramm. Dies entspricht dem Gewicht von fünf VW Polo.
Wichtige Stationen auf dem Weg zum neuen Geläut
21. November 2007
Der Vorsitzende des Vorstandes der SCHOTT AG, Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer, gibt, gemeinsam mit Karl Kardinal Lehmann, vor der Presse bekannt, dass die SCHOTT AG 200.000 Euro spendet für die Anschaffung von drei neuen Glocken für die Kirche St. Stephan und für die Renovierung des Glockenturms.
16. Mai 2008
Guss in der renommierten Glockengießerei Bachert in Karlsruhe.
27. September 2008
Feierliche Weihe der Glocken durch den Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann.
27. Februar 2009
Erstes Läuten im Rahmen der Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Zerstörung von Mainz.
Quelle: Pressemeldung SCHOTT AG
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