Nigeria: "Talibanisierung" des Landes
Eine "Talibanisierung" Nigerias durch die jüngste Welle islamistischer Gewalt im Land befürchtet der Leiter des "Katholischen Instituts für Entwicklung, Gerechtigkeit, Frieden und Caritas" in Enugu, Prälat Obiora Ike.
In einem Gespräch mit unserem Hilfswerk sagte er, mit den jüngsten Angriffen radikaler Islamisten auf Sicherheitskräfte im Norden Nigerias habe die Gewalt im Land eine neue Dimension erreicht.
Bisher seien die Islamisten beinahe ausschließlich gegen Christen vorgegangen. Nun jedoch hätten sich neue radikale Gruppen gebildet, die gegen "alles Westliche" und auch gegen andere Muslime vorgingen. Ike berichtet, die Gewaltakte dieser Gruppen richteten sich nun auch gegen die Regierungen in jenen Bundesstaaten, die bereits die Scharia eingeführt hätten.
Nach Einschätzung Ikes handle es sich bei den Islamisten nicht um Splittergruppen, sondern um eine große Bewegung, die sich rasch im ganzen Land ausbreite. Federführend sei dabei die islamistische Sekte "Boko Haram" (auf Deutsch: Erziehung ist Sünde).
Sie halte Schulen und Universitäten für "westlich dekadent" und ginge daher auch gegen muslimische Bildungseinrichtungen vor. In den vergangenen Tagen hätten die Islamisten in den nordöstlichen und östlichen Bundesstaaten Bauchi, Yobe, Adamawa und Borno insgesamt 210 Menschen ermordet.
Die zerstörte Kirche St. Rita in Maiduguri. Sie wurde 2006 bei Ausschreitungen von fanatischen Muslimen zerstört. Auslöser waren damals die in einer dänischen Zeitung veröffentlichten Mohammed-Karikaturen. In Maiduguri gab es in den letzen Tagen erneut Ausschreitungen, wie Obiora Ike berichtet.
Prälat Ike fürchtet nun, dass die Unruhen auch auf den dicht besiedelten Bundesstaat Kano mit seinen zwölf Millionen Einwohnern im Norden Nigerias übergreifen könnten. Dies könnte seiner Ansicht nach einen Flächenbrand zur Folge haben, denn die Regierungen der nigerianischen Bundesstaaten seien mit dieser neuen Welle der Gewalt überfordert.
Armut und fehlende Bildung sind Hauptursachen der Gewalt
Obiora Ike ruft die westlichen Regierungen dazu auf, Nigeria beim Kampf gegen die Islamisten zu unterstützen und endlich die versprochenen Hilfsmaßnahmen für Bildung und gegen Armut umzusetzen. Fehlende Bildung und Armut seien seiner Ansicht nach die Hauptursache der aktuellen Gewalt.
Immer wieder kommt es zu Angriffen auf Christen in Nigeria. Am Ostersonntag hatten fanatische Muslime drei Kirchen niedergebrannt und über dreißig Christen verletzt. Eine Gruppe Jugendlicher hatte damals in der zentralnigerianischen Stadt Minna eine Osterprozession mit Macheten und Steinen angegriffen und anschließend Feuer an drei Kirchen gelegt.
Abschließend bat Prälat Ike alle Wohltäterinnen und Wohltäter von KIRCHE IN NOT in dieser schwierigen Situation um ihr Gebet für Nigeria.
Länderporträt Nigeria
Quelle: Pressemeldung KIRCHE IN NOT / Ostpriesterhilfe Deutschland e.V.
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