Pakistan: Unterdrückung und Hoffnung

24.11.2011 | Mannheim
Die Lage der Christen und anderer nicht-muslimischer Minderheiten in Pakistan

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz Pakistans, Joseph Coutts, beklagt einen zunehmenden Extremismus und wachsende Intoleranz gegenüber Christen in Pakistan. Nicht-muslimische Minderheiten seien von jeher benachteiligt worden, jedoch sei die Situation "so schlimm wie nie zuvor", erklärte er gegenüber KIRCHE IN NOT.

Christen würden behandelt, als seien sie keine Pakistaner, obwohl sie weit mehr zum Allgemeinwohl der Gesellschaft beitrügen, als ihre geringe Zahl vermuten lasse. So liege ein großer Teil der Bildung, der Gesundheitsfürsorge, der Entwicklungshilfe sowie der sozialen Dienste in den Händen der Kirche.

Alle diese Einrichtungen kämen nicht nur Christen zugute, sondern stünden den Angehörigen aller Religionsgemeinschaften offen. Christen müssten als "nützliche und vollwertige Bürger" anerkannt werden, forderte Bischof Coutts.

Benachteiligt würden Christen zudem bei der Arbeitssuche sowie im Studium. So könnten muslimische Studenten fehlende Punkte durch Noten im Koranunterricht ausgleichen. Christen haben keine Möglichkeit, ihren Notendurchschnitt zu verbessern. Schulbücher würden ebenfalls zur Diskriminierung beitragen.

Zudem werde verstärkt Druck auf Christen ausgeübt, zum Islam überzutreten. Er selbst erhalte bisweilen Briefe, in denen er aufgefordert werde, zum Islam zu konvertieren, so der Bischof von Faisalabad.

Gottesdienst in einer katholischen Kirche in Pakistan.

Doch nicht nur Christen leiden nach den Worten von Bischof Coutts unter dem zunehmenden Extremismus, sondern die ganze pakistanische Gesellschaft. Im Nordwesten des Landes seien etwa Dutzende Schulen zerstört worden. Die Anschläge richteten sich insbesondere gegen Mädchenschulen. Extremisten wirkten auf diese Weise gegen die Bildung von Frauen.

Sie seien bereit, "zu töten und selbst zu sterben" und bedrohten jeden, der sich gegen ihre Ideologie wende. Es seien sogar muslimische Gelehrte ermordet worden, die nicht mit den Extremisten übereingestimmt hätten.

Es gebe allerdings auch Zeichen der Hoffnung. Die Mehrheit der Menschen in Pakistan wolle in Frieden leben. Die Bereitschaft zu einem interreligiösen Dialog wachse. "Extremisten sind in der Minderheit", unterstrich Joseph Coutts. Die katholische Kirche setze ihren Dienst für das Allgemeinwohl und ihre Bemühungen um einen "Dialog des Lebens durch gute Taten" trotz aller Schwierigkeiten fort.

Pakistan hat knapp 180 Millionen Einwohner, von denen rund 1,2 Millionen Katholiken sind. Allein in der Diözese Faisalabad unterhält die katholische Kirche 82 Schulen.

Quelle: Pressemeldung KIRCHE IN NOT / Ostpriesterhilfe Deutschland e.V.

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