"Sie fühlen sich minderwertig"
KIRCHE IN NOT unterstützt den Bau und hat bereits 15 000 Euro zur Verfügung gestellt. In dem Haus gibt es neben Versammlungsräumen noch zwei Schlafsäle, einen Speisesaal sowie eine Bischofswohnung und eine Kapelle.
Wie der Erzbischof des Bistums, Paul Sayah, in einem Gespräch mit unserem Hilfswerk sagte, sei das Hauptziel des Projektes, das Selbstwertgefühl der maronitischen und anderen christlichen Minderheiten in der Region zu stärken und sie dadurch von einer Auswanderung abzubringen.
Das neue Pastoralzentrum "Guter Hirte" in Isfya sei das "Rückgrat der pastoralen Infrastruktur", so der Bischof. "Wir haben jahrelang erlebt, dass viele Christen auswandern möchten. Sie fühlen sich minderwertig und in der Gesellschaft nicht anerkannt. Wir müssen ihnen daher ein Gefühl vermitteln, dass sie doch eine Rolle spielen, und ihnen Bildungsmöglichkeiten und spirituelle Angebote bieten."
Der Erzbischof betont, dass man die Kosten für den Bau so niedrig wie möglich halten möchte. Dabei greife man vor allem auf lokale Arbeitskräfte zurück und fördere auf diese Weise diejenigen, für die das Zentrum schließlich da sei.
Der Bau des vierstöckigen Pastoralzentrums wird auch von den Drusen in der Region begrüßt. Die Drusen sind eine religiöse Gruppe, die sich vom Islam abgespalten hat und die Mehrheit der Bevölkerung in Isfya ausmacht.
Sogar der Bürgermeister, ebenfalls Druse, sei begeistert von diesem Zentrum, freut sich Erzbischof Sayah. "Einige religiöse Drusenführer haben ein Dokument unterzeichnet, in dem sie das Projekt unterstützen. Wir haben ihnen zugesagt, dass sie ebenfalls das Zentrum nutzen können."
Das Pastoralzentrum soll die christlich-drusischen Beziehungen verbessern. Sie erlebten im Februar 2005 in Mughar, ebenfalls in Nordisrael, einen Tiefpunkt. Eine Auseinandersetzung in der Stadt in Galiläa führte damals zu einem Wutausbruch, bei dem die Hälfte der christlichen Bevölkerung um ihr Leben laufen musste. Viele sind zwar seitdem zurückgekehrt, aber einige Probleme sind geblieben.
In einigen Region ist die Kirche vor Ort bedroht
Der Erzbischof sagte weiter: "Es nutzt nichts, nur zu unserer christlichen Gemeinde zu sprechen. Wir müssen sie bilden und fördern, damit sie gute Beziehungen zu Menschen anderer Religion haben. Sonst wird unsere kleine Gemeinschaft nicht überleben." In der Diözese leben etwa 12 000 Katholiken des maronitischen Ritus.
Maroniten sind eine von den kleineren christlichen Gemeinschaften in einer Region, deren christliche Bevölkerung durch Auswanderung dezimiert wurde, speziell im Westjordanland. Nach Angaben des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, im Mai dieses Jahres gibt es heute nur noch etwa 50 000 Christen in Palästina, 1948 machten sie noch 20 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.
Quelle: Pressemeldung KIRCHE IN NOT / Ostpriesterhilfe Deutschland e.V.
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