Taufwasser ist stärker als die Herkunft

14.08.2009 | München
Irische Schwester kümmert sich um Aufbau eines Bildungshauses in Nigeria

Ihre Fröhlichkeit ist ansteckend, auf Gesprächspartner geht die eher zierliche Person offen zu. Ihre 70 Jahre sieht man ihr nicht an, auch wenn sie in ihrem langen Leben schon viel geleistet hat.

Monica Devine hat mehr als 30 Jahre ihres Lebens als Missionarin in Afrika verbracht und geht auf Wunsch ihrer Oberin jetzt wieder zurück nach Nigeria. Sie gehört den "Missionarinnen vom heiligen Rosenkranz" an, die seit Ende der 20er-Jahre in dem afrikanischen Land wirken.

Der Orden ist in neun afrikanischen, drei amerikanischen und drei europäischen Ländern aktiv — unter anderem in Äthiopien, Ghana, Kamerun, Südafrika, Brasilien, Mexiko, England und Irland.

Für ihre Ordensgemeinschaft ist sie nach Nigeria, Tansania und in die USA gegangen und hat lange als Lehrerin gearbeitet. Die gebürtige Irin hat Chemie und Theologie studiert und ist als junge Frau in den Missionsorden eingetreten. Zuletzt hat sie in ihrer irischen Heimat gelebt und Spendenkampagnen organisiert.

Bei ihrem Besuch bei KIRCHE IN NOT hat die tatkräftige Ordensfrau ihr Anliegen bekräftigt: Afrika braucht Hilfe. Die Zukunft Europas sei mehr denn je mit dem Schicksal des Nachbarkontinents verknüpft. Die Kirche könne dabei einen wichtigen Beitrag leisten.

Ordensfrauen lernen den Umgang mit dem Computer.

In Nigeria soll Schwester Monicas eine Institution wieder aufbauen, die 2004 wegen fehlender Mittel ihre Türen schließen musste, das "Institute for Formators (IFF)". Die kirchliche Einrichtung liegt in Du, einem kleinen Ort in der Nähe von Jos, der Hauptstadt des Bundesstaates Plateau in Zentralnigeria.

Im Land kennt sich Schwester Monica bestens aus, da sie hier bereits viele Jahre lang gewirkt hat. Doch Nigeria ist eine Nation, in dem die politische, wirtschaftliche und soziale Lage seit Jahren äußerst angespannt ist.

Häufige Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen

Der westafrikanische Staat, der bevölkerungsreichste des Kontinents, ist für die Entwicklung Afrikas zweifelsohne einer der wichtigsten. Im Land kommt es seit Jahren immer wieder zu gewaltsamen politischen Auseinandersetzungen sowie zu Zusammenstößen zwischen Muslimen und Christen. Nicht immer ist es eindeutig, wer die Täter beziehungsweise Drahtzieher im Hintergrund wirklich sind. Die Spannungen entstehen aus sehr unterschiedlichen Interessen und Motiven.

Diese Umstände schrecken Schwester Monica nicht - im Gegenteil. Sie ist überzeugt, dass ihre Kongregation helfen kann, Nigeria zu entwickeln und zu befrieden. Wenn das gelingt, dürfte sich das auf die ganze Region und vielleicht auch den ganzen Kontinent auswirken, sagt sie.

Blick auf das Institute for Formators (IFF) in Du / Nigeria.

Ihre neue Aufgabe sei ein wichtiger Bestandteil dieses Prozesses: Das IFF baut sie im Auftrag der NCWR, der "Nigerianischen Konferenz von Ordenfrauen" wieder auf. Es soll diejenigen ausbilden, die als Seelsorger für andere Verantwortung tragen - ob als Priester, Ordensfrau oder Ordensmann. "Wir wollen ein Bildungsprogramm auf hohem Niveau anbieten, das den Anforderungen in Afrika gerecht wird und in der Kultur vor Ort wurzelt", erläutert Schwester Monica.

Vermittelt werden sollen unter anderem eine vertiefte Kenntnis der Heiligen Schrift, der Theologie, Philosophie, Psychologie sowie praktische Anleitungen für die Sozialarbeit und Grundlagen einer Erziehung zu Spiritualität und Gebet.

Ordensfrauen beim gemeinsamen Gebet.

Neben Geldern für die Restaurierung und Neuausstattung der bestehenden Gebäude inklusive Bibliothek sucht Schwester Monica Unterstützung für den Aufbau einer Gänse-, Kaninchen- und Fischzucht.

"Zu einem tragfähigen Konzept gehören Einnahmequellen für den laufenden Unterhalt. Mit den Teilnehmerbeiträgen allein lässt sich das Institut nicht führen", erklärt die Ordensfrau. Unser Hilfswerk hat bereits Hilfe zugesagt.

Was Schwester Monica Devine besonders wichtig ist: In Nigeria würden sich zwar immer wieder junge Frauen und Männer für einen geistlichen Beruf entscheiden. Allerdings mangle es an guten Fortbildungsangeboten und bestmöglicher Begleitung für junge Priester und Ordensleute.

Diese sei aber entscheidend, stellt sie klar. "Wer den Glauben lebt, verändert seine Umwelt. Wenn wir einig sind, wenn das Taufwasser stärker ist als unsere Herkunft, geben wir das auch an andere weiter."

Quelle: Pressemeldung KIRCHE IN NOT / Ostpriesterhilfe Deutschland e.V.

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