VELKD informiert über aktuelle Bedeutung der Rechtfertigungslehre

21.09.2009 | Hannover
Publikationen zum 10. Jahrestag der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" zwischen Lutherischem Weltbund und römisch-katholischer Kirche

Am 31. Oktober gedenken der Lutherische Weltbund (LWB), die römisch-katholische Kirche und die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) der Bestätigung der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" (GE) vor zehn Jahren. LWB und Vatikan bekräftigten am Reformationstag 1999 in Augsburg in einem Festgottesdienst, dass die jahrhundertelang wiederholten gegenseitigen Verurteilungen in der entscheidenden Frage nach der Rechtfertigung nicht länger Gegenstand gegenwärtiger Lehre in den beteiligten Kirchen sind. Im Jahre 2006 beschlossen die Mitgliedskirchen des Weltrates der Methodistischen Kirchen auf ihrer Vollversammlung in Seoul, die GE mit zu unterzeichnen.

Im Amt der VELKD sind für Interessierte folgende Publikationen abrufbar:

1. Unter dem Titel "Christus vertrauen - Was Rechtfertigung heute bedeutet" hat der frühere Leitende Bischof der VELKD, Landesbischof i. R. Horst Hirschler (Rehburg-Loccum bei Hannover) ein 48-seitiges Heft veröffentlicht: "Innerlich frei von dem Druck, das Gelingen unseres Lebens selbst bewerkstelligen zu müssen, werden wir allein durch jenes Gottvertrauen, das sich der Begegnung mit Jesus Christus verdankt", schreibt Hirschler. "Diese Entdeckung im Neuen Testament verdanken wir Martin Luther. Seine berühmte Rechtfertigungslehre ist nach wie vor wegweisend. Es ist der Glaubensartikel, mit dem die Kirche steht und fällt." Das Grundthema des christlichen Glaubens sei "der verlorene Mensch und der rettende Gott". Es lohne sich, in dem Vertrauen zu leben, dass Gott für mich da ist. "Ich brauche das Gelingen meines Lebens nicht herzustellen. Mein Dasein ist gerechtfertigt im Gottvertrauen, das sich dem gekreuzigten Christus im österlichen Licht verdankt. Wer etwas von der Freiheit eines Christenmenschen begriffen hat, tanzt nicht selbstverliebt um sich selbst, weder um seine großen Taten, noch um seine große Schuld. Er lässt sich, trotz aller Mühsal, nicht wirklich beirren durch wirtschaftliche Umbrüche, Katastrophen, Kriege und Krankheiten. Christus ist sein Halt. Christenmenschen sind beheimatet in Gott und frei für den Nächsten. Sie verstehen ihren Beruf als Gottesdienst im Alltag der Welt. Sie können sich mit ganzer Kraft, ohne die Angst, sich zu verlieren, der Welt zuwenden. Sie müssen die Welt nicht vergöttern, sondern können sie als Gabe Gottes nutzen. Sie haben das Herz, den Kopf und die Hände frei für diese Welt und ihre Nächsten." Luthers "Rechtfertigung allein aus Glauben" meine das in Christus begründete Gottvertrauen, "das mir die innere Freiheit eines Christenmenschen schenke und mich zum Dienst für die Welt bereit und fähig mache," so Altbischof Hirschler.

2. Unter dem Titel "Die Botschaft von der Rechtfertigung" hat der langjährige Ökumene-Dezernent der thüringischen Landeskirche, Pfr. Hans Schäfer, "Eine Einführung in ihr biblisch-reformatorisches Verständnis" verfasst. Die 47-seitige Veröffentlichung war erstmals 1997 erschienen.

3. In zweiter, verbesserter und erweiterter Auflage ist der Band "Rechtfertigung heute - Warum die zentrale Einsicht Martin Luthers zeitlos aktuell ist" (197 Seiten, 6,80 Euro) erhältlich. Darin dokumentiert die VELKD die Klausurtagung ihrer Bischofskonferenz, die Anfang März 2008 in der Lutherstadt Wittenberg anlässlich des 60-jährigen Bestehens der VELKD zum Thema "Rechtfertigung heute" getagt hatte. Der Band enthält u. a. die Vorträge von Rüdiger Zymner, Volker Drehsen, Wilfried Härle, Hermann Beste und Hans-Jürgen Abromeit sowie die Erklärung der Bischofskonferenz zur aktuellen Bedeutung der Rechtfertigungslehre. Ferner finden sich in der Veröffentlichung die Ausführungen des Leitenden Bischofs der VELKD, Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), zur Rechtfertigung, die er im Rahmen seines Berichts vor der Generalsynode in Zwickau im Oktober 2008 vorgetragen hatte.

4. Damit in möglichst vielen lutherischen, römisch-katholischen und methodistischen Gemeinden der Erklärung gedacht werden kann, ist jetzt die ökumenische Arbeitshilfe "Unter dem Horizont der Gnade" erschienen. Das 48-seitige Heft wurde herausgegeben vom Amt der VELKD, dem Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik - im Auftrag des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) - und der Kommission für ökumenische Beziehungen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland. In der Publikation werden u. a. das theologische Stichwort "Rechtfertigung" erklärt, seine Bedeutung in den unterschiedlichen Konfessionen beschrieben, zentrale Passagen der Erklärung sowie der methodistischen Zustimmung dokumentiert und von den Erfahrungen, die seither mit diesem Papier gemacht wurden (in Lateinamerika, in Skandinavien und in Polen), berichtet. Ferner bietet sie liturgische Bausteine für Gedenkgottesdienste, Anregungen für gemeinsame Bibelarbeiten, Perspektiven für die Ökumene sowie Stellungnahmen des Leitenden Bischofs der VELKD, Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), der Bischöfin der EmK, Rosemarie Wenner (Frankfurt am Main), sowie des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch (Freiburg i. Br.).

Quelle: Pressemeldung Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

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