Vertriebene Wissenschaft
Mitte Februar 2009 startete im Auftrag und mit Förderung des Präsidenten der TU Berlin das neue Forschungsprojekt "Vertriebene Wissenschaft an der Technischen Hochschule zu Berlin 1933 bis 1945". Es wird am Zentrum für Antisemitismusforschung durchgeführt. Anlass war die Promotion von Dimitri Stein, der nach 65 Jahren seine Dissertation verteidigen durfte, die ihm 1943 verwehrt wurde. Dieses Ereignis nimmt die TU Berlin nun zum Anlass, sich der eigenen Geschichte genauer zu widmen. Ein Ziel des Forschungsprojektes ist es, nach weiteren Wissenschaftlern zu suchen, die aus "rassischen" oder politischen Gründen von der TH Berlin vertrieben wurden, denen der Doktorgrad verweigert oder entzogen wurde.
Am 30. Januar 1933 begann mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Der Prozess der politischen und ideologischen Gleichschaltung erfasste auch die deutschen Universitäten und Hochschulen. Forschung und Lehre wurden der NS-Weltanschauung angepasst.
Der nationalsozialistische Gedanke hielt auch in der Technischen Hochschule zu Berlin (Vorgängereinrichtung der TU Berlin) Einzug. "Aufgrund von § 3 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 entziehe ich Ihnen hiermit die Lehrbefugnis an der Technischen Hochschule Berlin." - Schreiben mit diesem Inhalt erhielten "nichtarische" Professoren der TH Berlin während der Zeit des Nationalsozialismus. Doch nicht nur Professoren mussten die TH Berlin verlassen, das wissenschaftliche Personal war ebenfalls Diskriminierungen ausgesetzt. Die meisten Betroffenen emigrierten nach 1933 ins Ausland. Einer von ihnen ist Dimitri Stein, der jedoch im November 2008 an seine ehemalige Universität zurückkehrte, um zu beenden, was er 1943 begonnen hatte: seine Promotion (siehe "TU intern" 2/2009 - www.tu-berlin.de/?id=52941).
Vielleicht bleibt Dimitri Stein nicht der Einzige, dessen Verfahren nach so langer Zeit wieder aufgenommen wird. Andere wiederum könnten posthum geehrt werden, um ihnen die Würde und Anerkennung zuteil werden zu lassen, die ihnen während des Nationalsozialismus verwehrt blieb. Noch besteht eine geringe Chance, den einen oder anderen, dem dieses Unrecht widerfahren ist, ausfindig zu machen. Da der überwiegende Teil des Hochschularchivs im Krieg verloren ging, ist die Leiterin des Projektes, Dr. Carina Baganz, auf Mithilfe angewiesen. Betroffene, deren Angehörige oder Bekannte mögen sich bitte melden
Quelle: Pressemeldung Technische Universität Berlin
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