Welle der Gewalt im Südsudan befürchtet
Im Süden des Sudan befürchten Kirchenvertreter nach der gestrigen Bekanntgabe der Ergebnisse der Präsidentschaftswahl eine Welle der Gewalt. In einem Schreiben an KIRCHE IN NOT warnt der Bischof der südsudanesischen Diözese Tombura-Yambio, Edward Hiiboro Kussala, sogar vor einem "Völkermord".
Grund für die drohende Gewalt sind nach Angaben Kussalas Unstimmigkeiten beim Ablauf der Wahlen, die bei vielen Bevölkerungsgruppen das Gefühl geweckt hätten, übervorteilt worden zu sein.
Die Verzögerung der Bekanntgabe des Wahlergebnisses und fehlende Transparenz bei der Auszählung habe diese Ängste in der Bevölkerung noch weiter geschürt.
Bischof Kussala schreibt uns, er habe seit dem Beginn der Wahlen am 11. April beobachtet, dass "tief verwurzelte Feindschaften" zwischen den Ethnien im Südsudan nicht wie erhofft auf eine "konstruktive und politische Art" gelöst werden konnten. Er befürchtet nun, dass sich die Streitigkeiten deshalb erneut in Gewalt entladen und ruft seine Landsleute zur Besonnenheit auf.
Vor allem mit Blick auf die Volksabstimmung über die Unabhängigkeit des Südsudan im Januar 2011 kritisiert Bischof Kussala, dass wichtige Fragen der Wähler noch nicht ausreichend von den Parteien thematisiert worden seien.
Ungeklärt in Bezug auf die Unabhängigkeit sind demnach zum Beispiel die Grenzziehung zwischen dem zukünftigen Nord- und Südsudan sowie die Aufteilung der reichen Erdölerträge zwischen beiden Regionen und die Regelung der Wirtschaftsbeziehungen.
Flüchtlinge im Südsudan.
Der Bischof ruft wegen dieser ungelösten Fragen zum Dialog auf und betont, dass die Wahlen trotz aller Unstimmigkeiten in Anbetracht der schwierigen Verhältnisse im Südsudan "recht gut" umgesetzt worden seien.
Er appelliert an die internationale Gemeinschaft, weiter "auf dem Weg zur Demokratie an der Seite des Sudan zu bleiben". Wörtlich schreibt er: "Lasst uns hoffen, dass die Vernunft siegen wird und dass die friedfertigen Kräfte in unserem Land in der Lage sein werden, das drohende Unheil abzuwenden."
Wir rufen zum Gebet für den Frieden im Sudan auf und bitten um Spenden für den Aufbau von Pfarr- und Ausbildungszentren im Süden des Landes.
Quelle: Pressemeldung KIRCHE IN NOT / Ostpriesterhilfe Deutschland e.V.
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